Grenzschließung verordnet: Irakischer Innenminister: Bürgerkrieg droht
zuletzt aktualisiert: 18.01.2005 - 14:16Bagdad (rpo). Der irakische Innenminister warnt, dass die Wahlen am Wochenende einen Bürgerkrieg in dem Land auslösen könnten. Falah Hassan al Nakib rechnet für den Fall eines Wahlboykotts der sunnitischen Minderheit mit gewaltsamen Auseinandersetzungen. Der Hoffnungsschimmer: Der sunnitische Minister kritisierte scharf den Boykottaufruf von Geistlichen seiner Glaubensrichtung. Währenddessen sterben Wahl-Kandidaten im Kugelhagel.
Wenn die am 30. Januar zu wählende Nationalversammlung nicht das ganze Volk vertrete, werde es zu einer das Land spaltenden Konfrontation kommen, sagte Falah Hassan al Nakib am Dienstag.
Ausschreitungen vor der Wahl
Die schiitische Partei SCIRI war am Dienstag Ziel eines Selbstmordanschlags, bei dem vier Menschen ums Leben kamen, unter ihnen auch der Täter. Außerdem wurden vier Menschen verletzt. Der Täter fuhr ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor das Büro des Obersten Rats für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI). "Die Wachleute kannten ihn nicht, und der Fahrer brachte sein Auto zur Explosion", sagte US-Oberstleutnant Kendall Penn.
Ein Parteisprecher sagte, der SCIRI werde sich nicht einschüchtern lassen. Vor dem Irak-Krieg stand die Partei an der Spitze der schiitischen Oppositionsbewegung gegen das Regime von Saddam Hussein. Bei der Wahl der Nationalversammlung am 30. Januar wird eine Mehrheit für SCIRI und andere schiitische Parteien erwartet, da die Schiiten die Bevölkerungsmehrheit stellen. Sunnitische Geistliche haben zum Boykott der Wahl aufgerufen.
Ein Kandidat der schiitischen Verfassungsmonarchiebewegung, Schaker Dschabbar Sahl, wurde am Dienstag in Bagdad von maskierten Männern erschossen. Die Partei wird von einem Cousin des letzten irakischen Königs geführt.
Ausländer als Geiseln genommen
Unterdessen wurden acht chinesische Bauarbeiter als Geiseln genommen. Die Täter führten die Männer in einem Video vor, das am Dienstag mehreren internationalen Medien in Bagdad zugespielt wurde. Die Entführer gaben sich als Mitglieder der Al-Numan-Brigaden aus. Sie deuteten an, dass sie die Chinesen freilassen würden, falls sie auf eine weitere Zusammenarbeit mit den US-Truppen verzichteten.
Mit Blick auf die täglichen Anschläge und Übergriffe verschärfte die Regierung am Dienstag ihren Sicherheitsplan für die Parlamentswahl und kündigte eine dreitägige Schließung aller Grenzen an. Nur rückkehrende Pilger aus Mekka dürfen die Grenzübergänge vom 29. bis 31. Januar passieren, wie die Wahlkommission am Dienstag mitteilte.
Auch innerhalb des Landes wird die Reisefreiheit zwischen den Provinzen eingeschänkt. Des weiteren gilt in den drei Tagen vor, während und nach der Wahl ein nächtliches Ausgehverbot. Am vergangenen Wochenende hatte die Regierung bereits ein generelles Fahrverbot und die Einrichtung von Sicherheitszonen im Umkreis der Wahllokale beschlossen.
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