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Wien
Mogherini: Iran-Atomgespräche werden verlängert

Die Atomanlagen im Iran
Die Atomanlagen im Iran FOTO: AFP, AFP
Wien. Lange Gesichter statt fristgerechten Jubels: Die Atomverhandlungen mit dem Iran werden zum x-ten Mal verlängert - diesmal um mehrere Tage. Dabei gilt die aktuelle Runde als bisher größte Chance.

"Bitte holen Sie ihre neuen Zimmerschlüssel so früh wie möglich an der Rezeption ab." Als das Foto aus dem Wiener Nobel-Hotel "Imperial" auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die Runde machte, wurde schon klar: Wenn die US-Delegation ihre mehr als 70 Zimmer dort verlängert, gehen die Atomgespräche mit dem Iran wieder einmal nicht fristgerecht zu Ende.

Eine halbe Stunde später trat die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Dienstag vor die Presse. Auf der brutheißen Straße vor dem Verhandlungsort Palais Coburg kündigte sie spürbar unentspannt eine mehrtägige Verlängerung an. Wieder nichts mit einem historischen Atom-Deal zwischen der internationalen Gemeinschaft und der Islamischen Republik - zumindest nicht bis zum eigentlichen Frist-Ende am Dienstag um Mitternacht.

Der lange Streit um das iranische Atomprogramm

Dabei war die Zuversicht für ein Ende dieses Polit- und Verhandlungsdramas allenthalben groß. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte die "einmalige Chance" hervorgehoben. Andere Delegationen aus den sieben beteiligten Nationen bliesen ins gleiche Horn. Ein Atom-Abkommen sei fast fertig, glaubten Twitterer zu wissen. Das Ringen um eine Übereinkunft, die den Iran auf lange Zeit am etwaigen Bau einer Atombombe hindert und ihm zugleich den Weg zurück in die Weltgemeinschaft ebnet, war fast am Ziel. 

Doch bis zur eigentlichen Frist waren eben doch nicht alle Steine aus dem Weg zu räumen. Zu den letzten Hürden gehörte die zeitliche Abfolge entscheidender Schritte: Soll erst die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) durch Kontrollen bestätigen, dass das iranische Atomprogramm ausschließlich ziviler Natur ist und sollen erst danach die Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden? Das will die 5+1-Gruppe (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland).

Das sind Ergebnisse des Atomdeals mit dem Iran

Oder soll die internationale Gemeinschaft bereits vor einer IAEA-Prüfung die Finanzsanktionen und das Ölembargo aufheben? Das will der Iran. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif spricht dabei gerne von der "Phase des Vertrauens", die endlich anbrechen müsse. Das entspricht nicht unbedingt der Lesart der Verhandlungspartner. Der Iran hat als Unterstützer extremistischer und terroristischer Gruppen keinen guten Ruf - auch wenn die Sehnsucht nach einem diplomatischen Erfolg in diesen globalen Krisenzeiten alle Außenminister umtreibt.

Derweil kann sich Israel die Hände reiben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist der schärfste Kritiker einer Annäherung des Westens an den Iran - und glaubt dem Erzfeind in Teheran kein Wort. Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtet über eine geplante Polit- und Medienkampagne in den USA. "Die Schlacht ist noch nicht verloren", zitiert das Blatt nach ungenannten Quellen einen Satz von Netanjahu.

Dafür hat Israel nun mehr Zeit. Denn eine - immer noch mögliche - Einigung nach dem 9. Juli verdoppelt die Dauer der Prüfphase im US-Kongress auf 60 Tage. Was immer unter den Augen der 600 akkreditierten Journalisten aus 30 Ländern in Wien herauskommt: Es wäre eine Übereinkunft unter Dauerbeschuss.  

(dpa)
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