Trotz Einstellung im Jahr 2002: Iran bestraft Ehebruch mit Steinigung
zuletzt aktualisiert: 14.01.2008 - 10:32Berlin (RPO). Im Jahr 2002 hat sich der Iran dazu bereit erklärt, die Steinigung im Land auszusetzen. Doch nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) werden im Iran noch immer Menschen zu Tode gesteinigt.
Zuletzt sei im Juli 2006 ein Mensch durch diese Methode zu Tode gekommen, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation, der am Dienstag veröffentlicht werden sollte.
"Steinigungen sind besonders grausam", sagte die ai-Expertin für den Nahen Osten, Ruth Jüttner. Der Tod solle absichtlich langsam und qualvoll eintreten. Dazu verweist ai auf das iranische Strafgesetzbuch, demzufolge die Steine bei der Hinrichtung nicht so groß sein dürfen, dass der Mensch bereits getötet wird, wenn ihn ein oder zwei treffen.
Bei der Steinigung werden laut Amnesty Männer bis zur Hüfte und Frauen bis unter die Brust eingegraben. Dann werde unter den Augen von Richter, Zeugen und Schaulustigen die Steinigung vollstreckt.
Viele Frauen unter den Opfern
Opfer von Steinigungen sind nach Angaben von ai mehrheitlich Frauen. "Das liegt daran, dass Frauen in vieler Hinsicht diskriminiert sind", erklärte Jüttner. Denn diese Form der Hinrichtung stehe im Iran auf eine Tat, die in den meisten Ländern der Erde nicht einmal strafbar ist: Ehebruch.
Als Beweismittel können laut ai bereits die "Erkenntnisse" des Richters ausreichen. Eine Frau benötige hingegen mindestens zwei Männer, die ihre Zeugenaussage bestätigen, damit diese vor Gericht Gültigkeit habe. Dies erschwere ihnen auch Scheidungsverfahren. Zudem fehle vielen Frauen schlicht das Geld für einen Anwalt und so gingen Steinigungen oft ungerechte Gerichtsverhandlungen voraus, heißt es in dem ai-Bericht.
Die Menschenrechtsorganisation forderte die Regierung in Teheran dazu auf, alle noch anstehenden Steinigung auszusetzen und diese Art der Todesstrafe abzuschaffen. Auch die Bestrafung von "einvernehmlichen außerehelichen sexuellen Beziehungen" müsse aus dem Gesetz gestrichen werden. Zudem solle der Iran, der den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet hat, auf die Abschaffung der Todesstreife hinarbeiten.
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