Akw Buschehr: Iran bestückt Reaktor mit nuklearem Brennstoff
zuletzt aktualisiert: 26.10.2010 - 15:12Teheran (RPO). Der Iran hat damit begonnen, den Reaktorkern seines Atomkraftwerks in Buschehr mit nuklearem Brennstäben zu bestücken. Ingenieure hätten die Zuführung des Brennstoffs im ersten Akw des Landes aufgenommen, berichtete der arabischsprachige iranische TV-Sender El Alam am Dienstag. Bei der Frage einer Wiederaufnahme der internationalen Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm zeigte sich Teheran weiter zurückhaltend.
Der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, sagte bei einer vom iranischen Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz in Buschehr, das mit russischer Hilfe gebaute Akw könne in drei Monaten ans Netz gehen und Strom liefern. Ursprünglich war dies bereits für Anfang November vorgesehen gewesen.
Bereits am 21. August war damit begonnen worden, das Kraftwerk mit 163 Brennstäben zu bestücken. Die Arbeiten verzögerten sich aber, als Grund gaben die Behörden Sicherheitsvorkehrungen und die sehr hohen Temperaturen in der Region an; die Bestückung mit den Brennstäben konnte demnach deshalb nur nachts erfolgen. Berichte, wonach die Verzögerung mit dem Computerwurm Stuxnet zusammenhängen könnte, wies Teheran hingegen zurück. Das Virus hatte im Iran mehr als 30.000 Rechner beschädigt und Kontrollsysteme von Industrieanlagen angegriffen.
Baubeginn 1975
Mit dem Bau der Anlage war bereits 1975 begonnen worden, damals von deutschen Firmen. Nach der Islamischen Revolution 1979 und in Folge des Kriegs mit dem Irak in den Jahren 1980 bis 1988 wurde das Projekt aber vorübergehend aufgegeben. 1995 schloss der Iran für den Bau des Atomkraftwerks einen Vertrag mit Russland, die ursprünglich auf höchstens fünf Jahre angesetzten Arbeiten verzögerten sich aber immer wieder.
Der Westen sieht das Projekt mit großer Skepsis. Während Teheran angibt, das Werk für die Stromnutzung zu benötigen, verdächtigen die USA und ihre Verbündeten den Iran, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Kernenergie nach Atomwaffen zu streben.
Mit Zurückhaltung reagierte Teheran auf einen Vorschlag von EU-Außenministerin Catherine Ashton, Mitte November neue Gespräche der 5+1-Gruppe - der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands - mit dem Iran über dessen Atomprogramm zu führen. "Es gibt nach wie vor Diskussionen über Datum, Ort und Inhalt der Gespräche", sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums in Teheran. "Die Gegenseite muss mehr Flexibilität zeigen, damit es in diesen Fragen zu einer Einigung kommt."
Ashton hatte am 14. Oktober eine Wiederaufnahme der seit mehr als einem Jahr unterbrochenen Gespräche in Wien vorgeschlagen. In einer ersten Reaktion hatte Irans Außenminister Manuschehr Mottaki das Angebot als "gute Nachricht" bezeichnet und gesagt, Oktober oder November sei "ein guter Zeitpunkt" für neue Gespräche. Eine offizielle Antwort des Iran auf das Angebot fehlte aber bislang.
Zu der 5+1-Gruppe zählen die USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und China sowie Deutschland. Zuletzt hatten der Iran und die sechs Staaten am 1. Oktober 2009 in Genf über das iranische Atomprogramm gesprochen. Um den Iran an den Verhandlungstisch zu zwingen, verschärfte die EU erst am Montag ihre Sanktionen gegen das Land.
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