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Wie das Regime in Teheran auf Ägypten reagiert: Iran sieht islamische "Weltrevolution" vor Vollendung

zuletzt aktualisiert: 13.02.2011 - 18:44

Teheran (RPO). Ausgerechnet am 32. Jahrestag der Revolution im Iran stürzte auch das Mubarak-Regime in Ägypten. Für die Mullahs in Teheran Anlass genug, darin den Anfang der Vollendung der islamischen Revolution zu erkennen.

Für die iranische Opposition und Washington ist diese Interpretation dagegen eine bewusste Umdeutung, mit der Teheran von den Spannungen im eigenen Land ablenken will.

"Das Zusammenfallen des Sturzes von Mubarak mit dem Jahrestag der islamischen Revolution im Iran zeigt, dass der 11. Februar der Tag des Sieges der Völker der Region ist und der Tag des Scheiterns der USA und des Zionismus" Israels, sagte am Samstag der Sekretär des Obersten Sicherheitsrates im Iran, Said Dschalili, in Teheran. "Mit 30-jähriger Verspätung haben Mubarak und seine amerikanischen Unterstützer die Stimme des ägyptischen Volkes erhört."

Schon Anfang Februar hatte das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, die Aufstände in Tunesien und Ägypten als "Zeichen des islamischen Erwachens" in der Welt bezeichnet und zur Gründung islamischer Regierungen in den betroffenen Staaten aufgerufen. Tunesien und Ägypten seien der Anfang der Schlussphase einer islamischen "Weltrevolution", schlug Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Freitag bei den Feiern zur iranischen Revolution 1979 in dieselbe Kerbe. "Wir werden bald einen neuen Nahen Osten ohne Amerikaner und ohne das zionistische Regime (in Israel) sehen".

Tatsächlich schaut Israel mit Sorge auf den Nachbarn Ägypten, der sich letztlich als berechenbarer Partner erwiesen hat und 1979 als erstes arabisches Land mit dem jüdischen Staat einen Friedensvertrag geschlossen hatte. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat mehrfach vor einem "iranischen" Szenario in Ägypten gewarnt und dabei die Muslimbruderschaft im Blick, die dort stärkste und am besten organisierte Oppositionskraft ist.

Doch für Washington soll Teherans Rhetorik von der islamischen Weltrevolution vor allem von den eigenen Problemen ablenken, nachdem die iranische Führung die Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl Ahmadinedschads 2009 mit harter Hand niedergeschlagen hatte. Die iranische Regierung sei nach den politischen Umstürzen in Ägypten und Tunesien beunruhigt und habe Angst vor dem "Willen des Volkes", sagte US-Regierungssprecher Robert Gibbs am Freitag. Deshalb reagiere Teheran mit neuer Repression: "Sie verhaften Menschen, blockieren ausländische Medien und sind dabei, den Zugang zum Internet zu unterbrechen."

Die reformorientierte Opposition im Iran interpretiert die Dinge ähnlich. Für sie sind die Ereignisse in Tunesien und Ägypten eher eine Reaktion auf die wochenlangen Proteste von 2009 im Iran. Dutzende Menschen wurden damals getötet und tausende verhaftet.

Die iranische Regierung scheint zunehmend nervös. Gerade leitete Teheran eine neue Verhaftungswelle ein, eine für Montag von der Opposition beantragte Solidaritätskundgebung mit dem ägyptischen und tunesischen Volk wurde verboten - eine Genehmigung für "Aufruhr" gebe es nicht, sagte ein Vertreter des Innenministeriums dazu am Sonntag. Und der Führer der Bassidsch-Miliz, Mohammed Resa Naghdi, warf "westlichen Geheimdiensten" vor, einen Aufstand schüren zu wollen. Dazu suchten sie eine "geistig zurückgebliebene Person, die sich selbst anzündet, um die Ereignisse in Tunesien und Ägypten zu kopieren".

Quelle: AFP/pst

 
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