Überwachung des Atomprogramms: Iran verweigert Zusammenarbeit
zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 20:45Wien (RPO). Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) beklagt eine massive Behinderung ihrer Arbeit bei der Überwachung des iranischen Atomprogramms. Teheran habe "wiederholt" die Ernennung von erfahrenen IAEA-Inspektoren verhindert. Außerdem sollen mehrere an Atomanlagen angebrachte IAEA-Siegel gebrochen worden sein.
Mit der Weigerung, die Ernennung von IAEA-Inspektoren zu billigen, die bereits Erfahrungen mit dem iranischen Atomprogramm haben, würde der Verlauf der Inspektionen "behindert", heißt es in dem vertraulichen Bericht, der der Nachrichtenagentur AFP am Montag vorlag.
Einem zwischen der Atomenergiebehörde und dem Iran geschlossenen Abkommen zufolge hat Teheran das Recht, die von der Atomenergiebehörde erstellte Liste mit Inspektoren abzulehnen. Indem die Führung in Teheran dies tue, werde aber eine "effiziente und effektive" Überwachung des Atomprogramms erschwert, heißt es in dem Bericht.
Einreise verboten
Ende Juni hatte der Iran zwei Inspektoren die Einreise verwehrt, weil diese angeblich für den letzten Bericht über das iranische Atomprogramm falsche Informationen geliefert hatten. In dem vertraulichen Bericht betont die IAEA dagegen, sie habe habe "volles Vertrauen in die Professionalität und Unparteilichkeit" der beiden Inspektoren.
Siegel gebrochen
Dem Bericht zufolge forderte die Behörde den Iran zudem auf, zu erklären, warum in der Urananreicherungsanlage in Natans mehrere Siegel gebrochen worden seien. Als Antwort gab Teheran demnach an, dies sei "unabsichtlich" geschehen. Ein mit den Untersuchungen vertrauter ranghoher Diplomat sagte, es seien vier Siegel gebrochen worden. Für zwei der Fälle habe es sofort eine Erklärung gegeben, die beiden anderen Vorfälle müssten noch untersucht werden. Es sei aber nicht unüblich, dass Siegel versehentlich gebrochen würden, etwa, wenn Geräte bewegt würden.
22 Kilo Uran produziert
In dem Bericht heißt es außerdem, in der Anreicherungsanlage in Natans seien zwischen Februar und Mitte August 2010 mindestens 22 Kilogramm Uran produziert worden, das bis auf 20 Prozent angereichert sei. Die Anlage produzierte demnach zudem bislang mehr als 2800 Kilogramm Uran mit einem niedrigen Anreicherungsgrad von 3,5 Prozent.
Der Westen verdächtigt den Iran, heimlich an Atomwaffen zu bauen. Die Führung in Teheran betont dagegen den rein zivilen Charakter seines Atomprogramms, lässt aber seit Februar in Natans Uran auch auf 20 Prozent anreichern - und schürt damit Befürchtungen der internationalen Gemeinschaft, dem Bau einer Atombombe näher zu kommen. Das auf 20 Prozent angereicherte Uran will der Iran offiziell für seinen Forschungsreaktor in Teheran nutzen, der unter anderem für medizinische Zwecke genutzt wird. Um Uran waffenfähig zu machen, ist ein Anreicherungsgrad von 80 bis 90 Prozent nötig.
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