Atomstreit: Iran will nun doch wieder mit EU-Vertretern verhandeln
zuletzt aktualisiert: 02.03.2006 - 15:38Moskau/Peking (rpo). Der Iran dreht und wendet sich im Atomstreit. Nun erklärte der iranische Chefunterhändler erneut, sein Land wolle nochmals mit Vertretern der EU zusammentreffen. Nach Angaben eines westlichen Diplomaten soll das Gespräch bereits am Freitag stattfinden.
Die EU-Dreiergruppe aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien werde bei dem Treffen nicht von ihrer Forderung nach einer Einstellung der Urananreicherung im Iran abweichen, erklärte ein Diplomat bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Ein Sprecher des französischen Außenministeriums bestätigte das Treffen. Frankreich erwarte, dass der Iran den Forderungen der IAEA nachkomme, sagte Denis Simonneau. Die Gespräche mit Russland schienen bis jetzt keinen wirklichen Fortschritt gebracht zu haben.
Laridschani erklärte zuvor in Moskau, der Iran wünsche Gespräche mit den EU-Vermittlern noch vor der nächsten IAEA-Sitzung am kommenden Montag. Die Nachrichtenagentur ITAR-Tass berichtete, beide Seiten hätten die Verhandlungen über das russische Angebot zur Urananreicherung auf russischem Boden am Donnerstag fortgesetzt. Es wurde erwartet, dass die iranische Delegation am Donnerstagabend Moskau in Richtung Wien verlässt, um dort die EU-Vermittler zu treffen. Eine dritte Runde iranisch-russischer Verhandlungen am Mittwoch hatte keinen Durchbruch gebracht.
Teheran wies die Forderung, seine Urananreicherung auszusetzen, erneut zurück. Er habe Russland aber ein "Paket von Vorschlägen" vorgelegt, die jetzt geprüft werden müssten, sagte Laridschani. Er warnte zugleich, dass ein Verweis des Konflikts vor den Weltsicherheitsrat das Ende der Moskauer Initiative bedeuten würde.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad bekräftigte am Donnerstag bei einem Besuch in Malaysia, seine Regierung sei zu Verhandlungen "über verschiedene Punkte" bereit. Indiskutabel sei aber der Ruf nach einem Stopp des iranischen Atomprogramms. Der Iran halte an dem Recht auf ein Nuklearprogramm fest, betonte Ahmadinedschad.
China zeigte sich am Donnerstag weiter zuversichtlich, dass eine Verhandlungslösung erzielt werden könne. Ministerpräsident Wen Jiabao sagte in einem Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, sein Land halte eine Lösung des Problems in diplomatischen Verhandlungen für möglich. Zuvor hatte bereits ein Sprecher des Außenministeriums erklärt, die Regierung in Peking hoffe, dass das russische Kompromissangebot den Durchbruch bringe.
Teheran treibt Raketenproduktion voran
Der iranische Oppositionspolitiker Alireza Jafarzadeh erklärte unterdessen in Wien, der Iran treibe seit dem vergangenen Jahr die Produktion seiner Raketen vom Typ "Schahab 3" voran. Derzeit würden 90 Stück pro Jahr produziert, mehr als vier Mal so viel wie zuvor. Die "Schahab"-Raketen haben eine Reichweite bis 1.900 Kilometer und können damit auch Ziele in Israel treffen, wie Jafarzadeh erklärte. Die Prototypen von Raketen mit Reichweiten bis 3.000 Kilometer seien zu 70 Prozent fertig. Jafarzadeh bezog sich mit seinen Angaben auf Geheimdienstkreise im Iran.
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