Atomstreit: Iran will Uran höher anreichern
zuletzt aktualisiert: 07.02.2010 - 12:41Teheran/München (RPO). Ungeachtet der Androhung neuer Sanktionen will der Iran sein Uran höher anreichern. Er habe den Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, beauftragt, auf 20 Prozent angereichertes Uran zu produzieren, sagte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Sonntag im Staatsfernsehen.
Die Tür für Verhandlungen sei aber weiter offen. Erst kürzlich hatte der Iran seine Bereitschaft signalisiert, auf den Kompromissvorschlag der internationalen Atomenergiebehörde einzugehen und sein Uran im Ausland weiter anreichern zu lassen, aber dies an Bedingungen geknüpft. Die USA reagierten verärgert und drohten mit verschärften Sanktionen, sollte der Iran nicht zu weiteren Zugeständnissen bereit sein.
Ahmadinedschad sagte in seiner Fernseh-Ansprache, der Iran habe sich bereiterklärt, auf den Tauschhandel mit der internationalen Gemeinschaft einzugehen, obwohl das land das Uran selbst anreichern könne. "Wir haben ihnen ein bis zwei Monate Zeit für ein solches Geschäft gegeben." Aber der Westen habe ein neues Spiel begonnen, deswegen habe er weitere Anreicherung angewiesen. Dabei solle Lasertechnologie genutzt werden.
Bei der Münchener Sicherheitskonferenz hatten die USA und Deutschland erklärt, es gebe keine Zeichen dafür, dass der Iran im Atomstreit einlenke. Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass der Iran unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der Kernenergie heimlich an Atomwaffen arbeitet. Deutschland bemüht sich zusammen mit den fünf UN-Vetomächten Russland, China, Frankreich, Großbritannien und den USA um eine Lösung des Konflikts.
Kritik am Iran auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Die Ankündigung des iranischen Präsidenten sorgte auf der Münchner Sicherheitskonferenz für scharfe Kritik. "Ich interpretiere das als eine Drohung", sagte Tagungsleiter Wolfgang Ischinger am Sonntag in München. Damit mache der Iran einen Schritt weg von einer Lösung des Streits um das Atomprogramm des Landes auf dem Verhandlungsweg.
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) reagierte erbost. Dies zeige, dass die ausgestreckte Hand des Westens vom Iran "nicht nur nicht ergriffen, sondern weggeschlagen wird", so Guttenberg.
Nun sei der Uno-Sicherheitsrat gefragt, darauf zu reagieren. Dabei könne es auch sein, "dass die Sanktionsschraube angezogen werden muss". Guttenberg appellierte an Russland und China, sich notwendigen Maßnahmen im Uno-Gremium nicht zu verweigern. Dem Iran müsse "deutlich gemacht werde, dass die Geduld nun wirklich am Ende ist", sagte der CSU-Politiker.
Seit Jahren streiten sich der Westen und der Iran darüber, wie dem Land eine zivile Nutzung der Atomenergie ermöglicht werden kann, ohne es mit waffenfähigem Nuklearmaterial zu versorgen. Der letzte Kompromissvorschlag des Westens bietet an, Kernbrennstäbe aus dem Ausland zu liefern, wenn Iran dafür auf eine eigene Urananreicherung verzichtet. Irans Außenminister Manuchehr Mottaki hatte auf der Sicherheitskonferenz beteuert, man sei dazu prinzipiell bereit.
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