Blutige Straßenschlachten in Teheran: Iranischer Oppositionsführer gibt nicht auf
zuletzt aktualisiert: 20.06.2009 - 22:25Teheran (RPO). Der iranische Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi gibt nicht auf: Trotz des harten Vorgehens von Polizei und Milizen forderte er am Samstag erneut die
Annullierung der Wahl. Auf Mussawis Website wurde ein entsprechender Brief an die obersten Wahlbehörden veröffentlicht. Mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken war die Staatsmacht gegen die Demonstranten vorgegangen. Augenzeugen berichteten von heftigen Zusammenstößen in der Nähe des Revolutionsplatzes in Teheran.US-Präsident Barack Obama hat angesichts der neuen Eskalationen ein Ende der Gewalt im Iran gefordert. Die Regierung in Teheran müsse "jegliche Akte der Gewalt und der Ungerechtigkeit gegen das eigene Volk" einstellen, erklärte Obama am Samstag in Washington. "Die iranische Regierung muss verstehen, dass die ganze Welt sie beobachtet. Wir trauern um jedes unschuldige Leben, das verloren geht."
Der iranische Wächterrat hat unterdessen eine Neuauszählung von zehn Prozent der Wahlurnen bei der umstrittenen Präsidentenwahl zugesagt. Es gebe keine rechtliche Verpflichtung dazu, aber der Rat sei bereit, stichprobenartig zehn Prozent der Urnen zu überprüfen, erklärte Sprecher Abbas Ali Kadchodaei am Samstag im staatlichen Fernsehen. Vertreter der anderen Kandidaten seien dazu eingeladen.
Wieder tausende Anhänger der Opposition auf der Straße
Der geistliche Führer des Irans, Ayatollah Ali Chamenei, hatte am Freitag die Opposition aufgefordert, den offiziell erklärten Wahlsieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad zu respektieren und die Proteste zu beenden. Trotz eines Demonstrationsverbots gingen am Samstag wieder tausende Anhänger der Opposition auf die Straßen und protestierten gegen das offizielle Ergebnis der Präsidentenwahl. Sie riefen "Tod der Diktatur" und "Tod dem Diktator".
Polizei und regierungstreue Milizen hätten 50 bis 60 Demonstranten so schwer verletzt, dass sie in das Imam-Chomeini-Krankenhaus gebracht werden mussten, sagten Augenzeugen der Nachrichtenagentur AP. Mehrere blutende Demonstranten seien von Mitstreitern weggetragen worden. Einige der Protestierenden hätten daraufhin Motorräder der Milizen in Brand gesteckt.
Bereits in den vergangenen Tagen war es wiederholt zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen, mindestens sieben Menschen kamen ums Leben. Das Vorgehen der Staatsmacht am Samstag war aber offenbar das bislang härteste.
Hubschrauber kreisten über der Stadt
Hubschrauber kreisten über der Stadt, die Sirenen von Krankenwagen waren zu hören. Über der Stadt war schwarzer Rauch zu sehen. Auf dem Revolutionsplatz fuhren laut Augenzeugenberichten Feuerwehrfahrzeuge auf. Polizei und Milizen hätten außerdem die Straße zwischen Revolutions- und Freiheitsplatz abgeriegelt, um dort einen Massenaufmarsch zu verhindern, hieß es. Auch die Universität von Teheran wurde von Bereitschaftspolizei abgeriegelt. Von dort waren Augenzeugen zufolge ebenfalls die Rufe "Tod dem Diktator" zu hören.
Das englischsprachige staatliche Fernsehen berichtete von einer Explosion am Imam-Chomeini-Mausoleum, bei der ein Mensch getötet und zwei Personen verletzt worden seien. Der Schrein liegt rund 20 Kilometer südlich der Innenstadt. Der Bericht konnte zunächst nicht bestätigt werden. Die Regierung hat die Berichterstattung unabhängiger Medien stark eingeschränkt.
Mussawi mit Verhaftung gedroht
Die iranische Regierung drohte am Samstag Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi mit Verhaftung, sollten Demonstrationen stattfinden. Der Sekretär des Sicherheitsrats, Abbas Mohtadsch, erklärte auf der Webseite des Innenministeriums, Mussawi werde "für die Folgen illegaler Versammlungen" verantwortlich gemacht.
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