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Menschliche Schutzschilde
IS-Kämpfer bringen zwangsweise Zivilisten nach Mossul

IS bringt Zivilisten als menschliche Schutzschilde nach Mossul
Die Dschihadisten des IS ziehen auch Unbewaffnete in den Kampf um Mossul. FOTO: afp, KLC
Bagdad. Die Befürchtungen werden wahr: Mitglieder der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) treiben nach Angaben von Anwohnern in und um Mossul Zivilisten zusammen, um sie als Schutzschilde gegen irakischen Truppen einzusetzen.

Im Gebiet östlich von Mossul hätten IS-Kämpfer vor allem junge Leute aufgefordert, sich in Schulen zu versammeln und ihre Ausweispapiere mitzubringen, sagte der Anwohner Abu Junes am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Die meisten Betroffenen hätten sich dem Befehl jedoch widersetzt, sagte Junes. Sie befürchteten demnach, als menschliche Schutzschilde missbraucht zu werden.

Zivilisten sollen Flucht ermöglichen

Auch im Westen der Stadt habe der IS "eine große Zahl von Menschen" aus Gebieten südlich von Mossul zusammengetrieben und sie zwangsweise nach Mossul gebracht, sagte der Anwohner Abu Mohammed. Seinen Angaben zufolge haben die IS-Kämpfer vor, sich bei der Rückeroberung von Mossul durch irakische Regierungstruppen unter die Zivilisten zu mischen und mit ihnen zusammen zu fliehen.

Die Schilderungen der Anwohner bestätigen gleichlautende Berichte der Vereinten Nationen. Das UN-Menschenrechtskommissariat hatte dem IS bereits am Dienstag vorgeworfen, tausende Zivilisten zwangsweise nach Mossul zu bringen, um sie womöglich als menschliche Schutzschilde einzusetzen.

Koalition hat Mossul erreicht

Zehntausende irakische Soldaten und kurdische Peschmerga-Kämpfer versuchen derzeit, Mossul aus der Gewalt der IS-Miliz zu befreien. Im Osten von Mossul war es irakischen Eliteeinheiten am Dienstag nach eigenen Angaben erstmals gelungen, auf das Stadtgebiet vorzudringen.

Am Mittwoch wurde dort direkt an der Stadtgrenze weiter gekämpft. Im Norden standen die Regierungstruppen nach Armeeangaben zwei Kilometer vor der Millionenstadt, im Süden waren die irakischen Streitkräfte noch rund 30 Kilometer entfernt. Westlich von Mossul kämpfen schiitische Milizen, die dem IS Rückzugswege Richtung Syrien versperren sollen.

IS setzt auf Guerilla-Taktiken

Der IS verfügt Schätzungen zufolge in Mossul über bis zu 5000 Kämpfer. Nach Angaben des Anwohners Mohammed halten sich die meisten von ihnen am Westufer des Tigris auf. Sie hätten bereits Autobomben, Selbstmordattentäter und Scharfschützen vorbereitet und Sprengstoff an Straßen und Brücken angebracht. Nun seien sie "offenbar bereit zu kämpfen".

(bur/AFP)
 
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