| 16.06 Uhr

Seit Ausrufung des Kalifats
IS soll mehr als 3500 Menschen hingerichtet haben

Beirut/Berlin. Während die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Kampf gegen den Islamistischen Staat (IS) ein "politisches Zweckbündnis auf Zeit" gefordert hat, hat die Dschihadistenmiliz nach Angaben von Aktivisten seit der Ausrufung ihres Kalifats mehr als 3500 Menschen in Syrien exekutiert - die meisten Opfer waren Zivilisten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Sonntag mit, sie habe seit Ende Juni 2014 insgesamt 3591 Hinrichtungen in Syrien dokumentiert. Unter den Todesopfern waren demnach 1945 Zivilisten, darunter 103 Frauen und 77 Kinder.

Die Dschihadisten warfen den von ihnen ermordeten Zivilisten den Angaben zufolge Hexerei, Homosexualität oder Zusammenarbeit mit der US-geführten Koalition vor, die seit September 2014 Luftangriffe gegen den IS in Syrien fliegt.

Der Beobachtungsstelle zufolge handelte es sich bei fast der Hälfte der hingerichteten Zivilisten um Mitglieder des sunnitischen Schaitat-Stammes. Der IS hatte im Jahr 2014 mehr als 900 Stammesangehörige in der Provinz Deir Essor getött, nachdem diese sich gegen die ebenfalls sunnitischen Extremisten aufgelehnt hatten.

Neben den Zivilisten wurden den Angaben zufolge 975 Regierungssoldaten und fast 250 Kämpfer anderer Rebellengruppen hingerichtet, aber auch mehr als 400 Kämpfer aus den eigenen Reihen, die desertieren wollten. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen.

Von der Leyen: Brauchen ein Zweckbündnis

Im Kampf gegen den islamistischen Terror hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ein "politisches Zweckbündnis auf Zeit" gefordert. Alle Gegner der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die auch ISIS genannt wird, sollten daran beteiligt sein, forderte die CDU-Politikerin in einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung.

Die jüngste Resolution des Weltsicherheitsrats spreche eine klare Sprache. "Der Kampf gegen ISIS muss oberste Priorität haben, für Frankreich ebenso wie für die USA, China, Russland, die Türkei, den Iran, die arabischen Staaten oder uns." Das Ziel bestehe darin, den IS zu schwächen, seinen Bewegungsradius einzuschränken, die Ausbildungscamps zu zerstören, Stadt für Stadt zurückzuerobern, schrieb die Ministerin. Die Öleinnahmen des IS sollten zunichtegemacht, der Nimbus der Unbesiegbarkeit gebrochen werden.

Die gemäßigten Muslime der Region rief von der Leyen auf, sich klar vom islamistischen Terror zu distanzieren. "Sie müssen zeigen, dass ISIS nichts mit dem Islam zu tun hat." Für die geistlichen und weltlichen Führer des Islam bedeute das: "Bezieht klar Stellung, wie ihr zu ISIS steht und überlasst den Terroristen nicht die Antwort auf die Frage, was der Islam verlangt und was nicht."

(felt/AFP/dpa)
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