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Perfider Handel
IS verdient Millionen durch Lösegelder für Frauen und Kinder

IS: Terrormiliz verdient Geld mit Sklavenhandel
Frauen werden in einem digitalen Sklavenmarkt an den Meistbietenden verkauft. 15.000 bis 20.000 US-Dollar sind dabei ein üblicher Preis. FOTO: afp, TA/rc
Hamburg. Der IS bietet Frauen und minderjährige Kinder in einer Art virtuellem Sklavenmarkt mit Fotos zum Kauf an. Das ergaben Recherchen von NDR und SWR.

Die Reporter haben mit betroffenen Familien und Unterhändlern gesprochen und entsprechende Dokumente ausgewertet. Der Geldtransfer läuft dabei wohl auch über IS-Verbindungsbüros in der Türkei. Es sind vor allem jesidische Familien, die ihre Angehörigen zurückkaufen, um sie zu retten.

Vor rund einem Jahr überfiel die Terrorgruppe IS weite Teile des Nordirak und brachte damals Tausende Frauen und Kinder als Kriegsbeute in ihre Gewalt. Inzwischen nutzt der selbsternannte Islamische Staat die Jesidinnen auch zur Finanzierung seiner Organisationen. NDR und SWR begleiteten über Wochen einen jesidischen Unterhändler, der im Auftrag der Familien über die Freilassung der Sklavinnen und ihrer Kinder mit dem IS verhandelt.

Anhand von Chatprotokollen, Dokumenten, Fotos und Zeugenaussagen lässt sich das perfide System rekonstruieren. So werden die Frauen in einem digitalen Sklavenmarkt an den Meistbietenden verkauft. 15.000 bis 20.000 US-Dollar sind dabei ein üblicher Preis. Ähnliche Summen werden auch beim Freikauf der Jesidinnen verlangt. Das Geld wird dann über IS-Verbindungsbüros und Mittelsmänner an die Terrorgruppe transferiert.

Im Laufe der Recherchen stellte sich heraus, dass ein solches Büro auch in der türkischen Industriestadt Gaziantep nahe der Grenze zu Syrien liegt - offenbar unbemerkt von türkischen Sicherheitsbehörden. Ein jesidischer Unterhändler gab gegenüber NDR und SWR an, im Laufe des vergangenen Jahres rund 250 Frauen und ihre Kinder befreit und dabei eine Gesamtsumme von mehr als 2,5 Millionen US-Dollar gezahlt zu haben. Das Geld stammt von jesidischen Familien, die ihre Ersparnisse und Kredite nutzen, um die Summe aufzutreiben. Auch eine halbstaatliche Organisation des amtierenden Ministerpräsidenten des Nordirak, Nechirvan Barzani, zahlt offenbar Teile des Lösegeldes - letztlich ungewollt an seinen Feind, den IS.

NDR und SWR waren bei der Befreiung einer Frau und ihrer drei kleinen Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren dabei und konnten den Ablauf der Verhandlungen begleiten. Wie viele jesidische Sklavinnen sich noch "im Besitz" des IS befinden ist unklar. Experten schätzen, dass es immer noch Hunderte sein könnten. Ein einträgliches Geschäft für den IS.

(gol/ots)
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