Rote Moschee in Islamabad: Islamisten-Führer Ghazi getötet
zuletzt aktualisiert: 10.07.2007 - 16:17Islamabad (RPO). Der Anführer der in der Roten Moschee in Islamabad verschanzten Islamisten, Abdul Rashid Ghazi, ist von seinen Anhängern getötet worden. Er sei getötet worden, als er versucht habe, sich den Sicherheitskräften zu stellen, teilte ein Sprecher des pakistanischen Innenministeriums am Dienstag mit.
Mit der Erstürmung der Rote Moschee in Islamabad haben die pakistanischen Sicherheitskräfte am Dienstag den einwöchigen Nervenkrieg mit dort verschanzten islamischen Extremisten beendet. Nach Militärangaben wurden bei den heftigen Kämpfen in dem weitläufigen Gelände mindestens 50 Extremisten und acht Soldaten getötet.
Aus Sicherheitskreisen verlautete, Ghazis Leiche sei im Keller einer Religionsschule für Frauen gefunden worden. Er hatte zuvor dem pakistanischen Fernsehsender Geo TV gesagt, die Regierung gehe mit aller Gewalt vor, was "nackte Aggression" sei. "Mein Märtyrertum ist nun sicher", erklärte Ghazi. Nach seinen Angaben leisteten etwa 30 seiner Anhänger Widerstand, doch stünden ihnen lediglich 14 Sturmgewehre vom Typ AK-47 zur Verfügung.
Die islamistischen Kämpfer hatten sich zuletzt in die Untergeschosse der Moschee und der ihr angeschlossenen Koranschulen zurückgezogen. Zwölf Stunden nach Beginn der Erstürmung hatte die Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben 80 Prozent des Geländes unter ihrer Kontrolle, die Kämpfe dauerten aber noch an.
Die Truppen rückten in den frühen Morgenstunden von drei Seiten auf die Moschee vor und übernahmen schnell die Kontrolle über den Hauptraum im Erdgeschoss, wie Militärsprecher Waheed Arshad mitteilte. Bis zu 50 Frauen hätten das Gelände verlassen, gefolgt von 26 Kindern, sagte ein Vertreter der Stadtverwaltung. Ein Militärsprecher erklärte, unter ihnen seien auch die Frau und eine Tochter von Abdul Aziz, dem früheren obersten Geistlichen, der in der vergangenen Woche aus der Moschee geflüchtet war und festgenommen wurde.
Laut Arshad hielten die Extremisten aber noch Geiseln gefangen. Die Islamisten hätten sich ins Untergeschoss des Gotteshauses zurückgezogen und leisteten heftigen Widerstand mit Gewehren, Granaten und Brandbomben, sagte er. Seit Beginn der Kämpfe ergaben sich etwa 50 mutmaßliche Militante oder wurden festgenommen, wie Arshad sagte.
Kurz vor Beginn der Militäraktion waren letzte Vermittlungsgespräche unter der Leitung des ehemaligen Ministerpräsidenten Chaudhry Shujaat Hussain endgültig gescheitert. Hussain verhandelte etwa neun Stunden lang mit Ghazi über Lautsprecher und Mobiltelefon. Dabei seien gute Angebote gemacht worden, aber Ghazi sei nicht zum Aufgeben bereit gewesen, sagte Hussain. Armeesprecher Arshad erklärte nach Beginn des Militäreinsatzes, wer sich jetzt ergebe, werde festgenommen, alle anderen würden als feindliche Kämpfer betrachtet und getötet.
Die Belagerung der Roten Moschee begann vor einer Woche, nachdem es zu Straßenschlachten zwischen Sicherheitskräften und radikalen Koranschülern gekommen war. Mehr als 1200 Menschen flohen in den folgenden Tagen aus dem Komplex, der 75 Räume, große Keller und ausgedehnte Höfe umfasst.
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