Mehr als 300 Tote im Gaza-Streifen: Israel bombardiert Universität
zuletzt aktualisiert: 29.12.2008 - 09:15Gaza (RPO). Der Krieg im Nahen Osten geht mit unverminderter Härte weiter: Israel hat seine Luftangriffe auf den Gaza-Streifen in der Nacht zum Montag fortgesetzt. Dabei wurde auch die Universität bombardiert. Die Militäraktionen haben inzwischen mehr als 300 Menschenleben gefordert, über 1400 Palästinenser wurden verletzt. Unterdessen mehren sich die Anzeichen für eine bevorstehende Bodenoffensive der israelischen Armee. Ein Nahost-Experte sieht in dem Vorgehen der Israelis keine dauerhafte Problemlösung.
Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht das Gelände der Islamischen Universität in Gaza an. Augenzeugen berichteten, es habe keine Verletzten gegeben. Auf das Universitätsgelände seien fünf Raketen abgefeuert worden, die hauptsächlich das Gebäude mit dem Universitätslabor zum Ziel gehabt hätten. In dem Gebäude sei ein Feuer ausgebrochen, Rauchwolken seien aufgestiegen. Die als Hochburg der radikalislamischen Hamas geltende Universität liegt im Zentrum von Gaza-Stadt.
Ein israelischer Armeesprecher sagte, das Universitätsgelände sei zur Entwicklung von Raketen, Sprengstoff und elektronischem Gerät für militante Kämpfer benutzt worden. Es sei ein Treffpunkt für Hamas-Aktivisten und diene zudem als Waffenversteck.
Bei den sind nach palästinensischen Angaben auch sechs Kinder getötet worden. Bei sechs der insgesamt sieben Angriffsopfer in der Nacht handele es sich um Kinder, teilten palästinensische Krankenhausmitarbeiter in Gaza mit. Vier Mädchen aus der selben Familie im Alter zwischen einem und zwölf Jahren wurden demnach in Dschabalija getötet, als die israelische Luftwaffe eine Moschee in der Nähe ihres Hauses angriff. Zwei Jungen seien bei einem Angriff in Rafah im Süden des Gazastreifens ums Leben gekommen, teilten die Krankenhausmitarbeiter weiter mit. Bei dem siebten Todesopfer handelte es sich demnach um ein Hamas-Mitglied.
China fordert Ende der Angriffe
Der chinesische Vizeregierungschef Li Keqiang erklärte am Montag, Peking sei "schockiert und ernstlich besorgt" über die derzeitigen Angriffe und rufe beide Seiten auf, die Militäroperationen sofort zu beenden. Es müssten "realistische Maßnahmen" zur Verminderung der Spannungen im Gaza-Streifen ergriffen werden.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Israelis und Palästinenser erneut zu einem sofortigen Waffenstillstand im Gazastreifen auf. Er beklagte, dass die Gewalt auch am Sonntag anhielt und bekräftigte seine Forderung an Israel, Hilfslieferungen für die notleidende Zivilbevölkerung in den Gaza-Streifen zu lassen.
Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak genehmigte die Lieferung von Grundnahrungsmitteln, Blutreserven, medizinischer Ausrüstung und zehn Krankenwagen sowie Treibstoff in das Palästinensergebiet. Mehr als hundert Lastwagen mit den von der Türkei, Jordanien und internationalen Organisationen gespendeten Hilfsgütern sollten am Montag die Grenzübergänge Karni, Nahal Os und Kerem Schalom passieren, hieß es.
Experte: Militäraktion radikalisiert Palästinenser
Der Nahost-Experte Udo Steinbach sagte der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" , Israel könne die Hamas militärisch besiegen, diese werde aber "ihr Haupt wieder erheben". Am Ende würden die israelischen Angriffe zu einer weiteren Radikalisierung unter den Palästinensern und in der arabischen Welt beitragen. Die unmittelbare Verantwortung für die Eskalation liege zwar bei der Hamas, die tiefere Ursache aber bei Israel, das mit seinen wirtschaftlichen Sanktionen der Hamas im Gaza-Streifen "nie eine Chance gegeben" habe, dort eine "stabile Regierung" herzustellen.
Der palästinensische Bürgerrechtler Mustafa Barghuti sagte der "Frankfurter Rundschau", Israel habe nicht die Hamas, sondern die Zivilbevölkerung angegriffen und viele Unschuldige getötet. Die internationale Staatengemeinschaft müsse Israel stoppen und dafür sorgen, dass die Besetzung der palästinensischen Gebiete beendet werde. Die Gewalt sei ein Symptom der jahrzehntelangen Okkupation.
Mit der größten Militäroffensive seit dem Sechstagekrieg 1967 will Israel nach eigenen Angaben den anhaltenden Raketenbeschuss seitens militanter Palästinenser vom Gaza-Streifen aus auf sein südliches Territorium unterbinden. Es zog mittlerweile an der Grenze zu dem Palästinersergebiet Panzereinheiten zusammen, das israelische Kabinett billigte die Mobilisierung von 6500 Reservisten.
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