Geste des guten Willens: Israel entlässt 334 palästinensische Häftlinge
zuletzt aktualisiert: 06.08.2003 - 19:03Ramallah/Gaza (rpo). Eine Geste des guten Willens: Nach wochenlangem Tauziehen hat Israel am Mittwoch 334 palästinensische Häftlinge freigelassen. Sie fuhren mit Bussen zu den nächsten Kontrollpunkten.
Die Gefangenen aus vier israelischen Haftanstalten trafen am Nachmittag in Bussen an mehreren Kontrollpunkten im Westjordanland und im Gazastreifen ein. Sie wurden von Repräsentanten der Palästinensischen Autonomiebehörde und Angehörigen empfangen. Die Palästinenser kritisierten, dass nur ein kleiner Teil der insgesamt 6000 Häftlinge freigelassen worden ist. Zudem hätten die meisten der Freigelassenen nur noch kurze Haftstrafen zu verbüßen gehabt. Mehr als 90 weitere Gefangene, überwiegend Kleinkriminelle, sollen in Kürze freikommen.
Israelische Truppen drangen erstmals seit Monaten wieder in Jericho (Westjordanland) ein und nahmen dort 18 palästinensische Sicherheitskräfte fest. Ein Armeesprecher wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern. Nabil Abu Rudeineh, der Berater von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, sprach von einem "sehr schweren Verstoß gegen die Waffenruhe" und einer Bedrohung des internationalen Friedensplans. Er forderte, Israel müsse umgehend alle palästinensischen Häftlinge freilassen, sich aus allen wiederbesetzten Städten des Westjordanlandes zurückziehen und die Blockaden aufheben.
Erklärung unterzeichnet
Vor ihrer Freilassung mussten die rund 340 Gefangenen, darunter eine Frau, eine Erklärung unterzeichnen, sich künftig nicht an terroristischen Aktivitäten gegen Israel zu beteiligen. Sie wurden an verschiedenen Punkten im Westjordanland sowie am Eres-Kontrollpunkt im Gazastreifen freigelassen. Am Eres-Übergang jubelten Dutzende von Palästinensern "Allahu Akbar" (Allah ist groß) und schlossen ihre Angehörigen in die Arme. Insgesamt wurden größere Feiern jedoch angesichts der palästinensischen Verbitterung über die Modalitäten der Freilassung unterlassen.
Der palästinensische Häftlingeminister Hischam Abdel Rasek sagte, die Liste der Freigelassenen entspreche nicht den palästinensischen Forderungen. Sie hatten die Freilassung von Gefangenen gefordert, die schon jahrelang in israelischen Haftanstalten verbracht haben sowie von Frauen und Jugendlichen.
Die Unzufriedenheit über die geringe Zahl war auch der Grund für die Absage eines für Mittwoch geplanten Treffens zwischen dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas und seinem israelischen Amtskollegen Ariel Scharon. Der palästinensische Minister für internationale Beziehungen, Nabil Schaath, sagte, es werde innerhalb der kommenden zehn Tage kein Treffen der beiden Politiker geben, weil sich Abbas im Ausland aufhalte.
Abbas hatte sich am Dienstagabend erneut mit Führern der radikal- islamischen Palästinensergruppen im Gazastreifen getroffen. Führende Mitglieder der Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad warfen Israel anschließend vor, ständig gegen die Ende Juni ausgerufene Waffenruhe zu verstoßen. So feuerten Soldaten ständig auf palästinensische Häuser. Zudem setze Israel den international kritisierten Bau seiner Sperranlage im Westjordanland sowie die Abriegelung palästinensischer Städte fort. Dennoch seien beide Gruppen zur Einhaltung der Waffenruhe bereit. Über eine Verlängerung der Waffenruhe über die zugesagten drei Monate hinaus, sei mit Abbas nicht gesprochen worden.
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