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Reservisten einberufen - Einmarsch im Nachbarland: Israel führt Krieg im Libanon

zuletzt aktualisiert: 12.07.2006 - 22:37

Beirut (rpo). Israel führt Krieg im Libanon. Ministerpräsident Ehud Olmert bezeichnete die Entführung zweier israelischer Soldaten als kriegerischen Akt und machte die libanesische Regierung dafür verantwortlich. Die Antwort werde "beherrscht, aber sehr, sehr schmerzhaft" sein. Heereschef Dan Halutz drohte, "die Uhr im Libanon um 20 Jahre zurückzudrehen".

Noch Mittwochabend hat die israelische Regierung ein weiteres militärischens Vorgehen im Libanon beschlossen. "Diese Entführungen bedeuten eine Eskalation für die gesamte Region", sagte Minister Jizchak Herzog, der dem Sicherheitskabinett von Ministerpräsident Ehud Olmert angehört, nach einer Dringlichkeitssitzung. Israel werde angemessen reagieren, weil für jeden klar sei, dass die Verantwortung in dieser Sache bei der libanesischen Regierung liege. Welche Ziele angegriffen werden und welchen Umfang die zu erwartetenden Militäreinsätze haben

"Die Ereignisses dieses Vormittags sind kein terroristischer Angriff, sondern eine von einem souveränen Staat ohne jede Rechtfertigung gestartete Aktion gegen Israel", erklärte Ehud Olmert im Bezug auf die Entführungen der israelischen Soldaten. Er machte die libanesische Regierung für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. "Das sind schwierige Zeiten für den Staat Israel und seine Bürger", sagte er: "Es gibt Menschen, die versuchen, unsere Entschlossenheit auf die Probe zu stellen. Sie werden scheitern und sie werden einen hohen Preis dafür bezahlen."

Tatsächlich ist für die Entführung der Soldaten die libanesische Hisbollah-Miliz verantwortlich. Sie will die beiden entführten israelischen Soldaten nur im Austausch gegen libanesische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freilassen. Die beiden Geiseln würden auf Grundlage "indirekter Verhandlungen" und eines Gefangenenaustauschs nach Israel zurückkehren, sagte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah. Gleichzeitig beglückwünschte er die Hisbollah zu der Tat.

Die Bewohner Nordisraels wurden angewiesen, die Schutzräume aufzusuchen. Israel rückte mit Bodentruppen, Kampfjets, Panzern und Kanonenbooten in den Südwesten des Nachbarlandes ein und beorderte eine Division von 6000 Reservisten an die Grenze. Es kam zu schweren Gefechten mit Toten. Nach Angaben aus Regierungskreisen bereiten die israelischen Streitkräfte die Einberufung einer Reservedivision mit mehreren tausend Mann vor.

Eskalation der Gewalt

Die Eskalation der Gewalt begann am Morgen mit heftigen Artilleriegefechten an der gemeinsamen Grenze. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, zuerst geschossen zu haben. Nach israelischen Angaben griff die Hisbollah mehrere Siedlungen im Norden des eigenen Landes an. Der arabische Fernehsender Al Arabija berichtete, dass bei den Gefechten sieben israelische Soldaten getötet und mehrere verletzt worden seien.

Während der Gefechte gab die Hisbollah die Entführung der Soldaten bekannt. Die beiden seien um 09.05 Uhr Ortszeit gefangen genommen worden und "in eine sichere Region" gebracht worden. Ziel sei es, die Freilassung von Gefangenen in Israel zu erreichen. Nach kurzer Zeit bestätigte das israelische Verteidigungsministerium, dass zwei Soldaten verschleppt worden seien. Bewohner der südlichen Stadtteile von Beirut feierten die Nachricht von der Entführung der Soldaten mit Schüssen in die Luft und dem Zünden von Feuerwerkskörpern.

Die Streitkräfte bestätigten, dass drei ihrer Soldaten bei den morgendlichen Gefechten getötet worden seien. Drei weitere Israelis seien ums Leben gekommen, als ihr Panzer an der Grenze explodiert sei, verlautete aus libanesischen Sicherheitskreisen.

Angriffe auf Brücken und Stellungen

Israelische Kampfflugzeuge griffen nach der Verschleppung der Soldaten Straßen, Brücken und Stellungen der Hisbollah im Süden Libanons an - offenbar um zu verhindern, dass die Soldaten weiter von der Grenze weggebracht werden. Bei dem Angriff auf eine Brücke im Südlibanon wurden zwei Bewohner getötet. Israelische Kampfflugzeuge überquerten auch die Stadt Sidon auf halbem Weg nach Beirut und wurden von libanesischen Abwehrstellungen beschossen, wie weiter aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete.

Israel hatte seine Truppen im Frühjahr 2000 aus dem Südlibanon abgezogen. Die Hisbollah war darufhin in das geräumte Gebiet vorgerückt.

David Welsh vom US-Außenministerium sprach von einer "sehr gefährlichen Eskalation". Damit seien alle Bemühungen gefährdet, den Nahostkonflikt einer friedlichen Lösung zuzuführen. UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die sofortige Freilassung der Israelis. Zugleich verurteilte er die Vergeltungsaktion. "Ich verurteile ohne Vorbehalte den Angriff im Süden Libanons und fordere, dass israelische Soldaten sofort freigelassen werden", sagte Annan in Rom. Auch die Bundesregierung verurteilte die Entführung und forderte die Freilassung der beiden Soldaten.

Unterdessen weitete Israel seine Offensive gegen militante Palästinenser im Gazastreifen aus. Bei einem Luftangriff in der Stadt Gaza wurden alle neun Mitglieder einer Familie getötet. Das Elternpaar und sieben Kinder wurden nach Klinikangaben tot aus den Trümmern des zerstörten Hauses geborgen, in dem sich auch zahlreiche Hamas-Aktivisten befanden. Sieben von ihnen wurden in kritischem Zustand im Krankenhaus behandelt, wie Ärzte mitteilten. Nach israelischen Angaben war darunter auch Mohamed Deif, der Führer des militärischen Flügels der Hamas. Bei weiteren Luftschlägen im Gazastreifen wurden am Mittwoch sieben Palästinenser getötet, darunter ein Polizist.

Quelle: ap

 
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