Gewalt in Gaza: Israel startet Bodenoffensive
zuletzt aktualisiert: 03.01.2009 - 19:55Jerusalem (RPO). Israel setzt die Angriffe auf den Gaza unvermindert fort und hat dabei nun die Bodentruppen in Bewegung gesetzt. Die Streitkräfte überschritten am Samstag die Grenze zum Gazastreifen und leiteten eine neue Phase in der Militäroffensive ein.
Israelische Fernsehsender zeigten Bilder, wie Soldaten am Samstag nach Anbruch der Dunkelheit in den Gazastreifen einmarschierten. Der Kanal 10 TV berichtete von heftigen Feuergefechten mit palästinensischen Kämpfern. Die Streitkräfte bestätigten den Einsatz.
Dieser werde sich allem Anschein nach zu einer längeren und großangelegten Offensive ausweiten, erklärte Armeesprecherin Avital Leibovitsch: "Wir haben viele, viele Ziele." Sie verwies unter anderem auf die zahlreichen Tunnel, die die radikalislamische Hamas für den Waffenschmuggel angelegt habe.
Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, der Einsatz werde bestimmt einige Tage andauern. Ziel sei es, die Infrastruktur der Hamas zu zerschlagen, nicht aber, den Gazastreifen wieder zu besetzen.
Panzer bleiben nahe der Grenze
Vorerst blieben die israelischen Panzer- und Infanterie-Einheiten noch nahe an der Grenze. Dort hat Israel nach Verlautbarungen aus dem Verteidigungsministerium rund 10.000 Soldaten zusammengezogen.
Wenige Stunden vor dem Einmarsch begann die Artillerie damit, vermutete Sprengfallen im Grenzgebiet unter Beschuss zu nehmen. Dabei soll auch ein Wohnhaus getroffen worden sein.
Die Luftwaffe bombardierte im Laufe des Samstags mehr als 40 Einrichtungen der radikalislamischen Hamas. Dabei kamen nach palästinensischen Angaben bis zum Abend mindestens 26 Menschen ums Leben. In der nördlichen Stadt Beit Lahija wurde auch eine Moschee von einer Bombe getroffen. Mindestens 13 Menschen wurden dabei getötet und 30 weitere verletzt, wie palästinensischer Gesundheitsbeamte mitteilten.
Die Offensive kostete bis Samstagabend mehr als 460 Menschen das Leben. Mindestens 100 der Toten waren nach UN-Angaben Zivilpersonen, bis zu 2000 Menschen wurden verletzt.
Kämpfer der Hamas feuerten wieder mindestens zehn Raketen auf den Süden Israels ab. Eine Person wurde leicht verletzt. Militärexperten wiesen darauf hin, dass die Anzahl der israelischen Luftangriffe inzwischen abgenommen habe. In den ersten Tagen der Offensive seien noch 100 Ziele pro Tag angegriffen. Es habe den Anschein, dass es bald keine Angriffsziele aus der Luft mehr geben könnte, hieß es.
Bemühungen um Waffenstillstand
Unterdessen wurden die internationalen Bemühungen um einen Waffenstillstand verstärkt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon setzte sich für eine sofortige Feuerpause unter Einsatz internationaler Beobachter ein.
Die Hamas reagierte nur kühl auf diesen Vorschlag. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan setzte in Saudi-Arabien seine Mission fort, die arabischen Staaten für eine Einflussnahme auf die Hamas zu gewinnen.
Der UN-Sicherheitsrat wird sich voraussichtlich am Montag mit einem Resolutionsentwurf der Arabischen Liga befassen, in dem ein Ende der Luftangriffe und eine Verurteilung Israels gefordert wird. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas und die Außenminister mehrerer arabischer Staaten wollten in New York persönlich für eine Annahme werben.
Die USA und Großbritannien haben den Entwurf aber schon als inakzeptabel und unausgewogen abgelehnt, weil darin die Raketenangriffe der Hamas nicht erwähnt würden.
Wie Ban forderten auch US-Präsident George W. Bush, der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderten einen Waffenstillstand. Bush betonte allerdings, dass eine einseitige Waffenruhe, die Gewalt von Seiten militanter Palästinenser zulasse, nicht akzeptabel sei.
Ferner müsse es Überwachungsmechanismen geben, um den Waffenschmuggel nach Gaza zu unterbinden, erklärte der Präsident in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Die Raketenangriffe der Hamas bezeichnete er als Terrorakt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum