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Nahost-Konflikt
Tödliche Gewalt überschattet Bans Blitzbesuch

Israel: Tödliche Gewalt überschattet Bans Blitzbesuch
Ban Ki Moon und Benjamin Netanjahu bei der Pressekonferenz in Jerusalem. FOTO: dpa, as ase
Jerusalem. Die blutigen Zusammenstöße in Israel nehmen kein Ende. Auch ein Blitzbesuch von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern nicht stoppen können.

Kurz vor Bans Eintreffen wurde im Westjordanland ein 24-jähriger Palästinenser erschossen, nachdem er einen israelischen Offizier mit einem Messer angegriffen hatte. Soldaten töteten bei Zusammenstößen an der Grenze zum Gazastreifen einen Palästinenser. In Hebron im Westjordanland wurden am Dienstagabend zwei Palästinenser erschossen, nachdem sie israelische Soldaten mit Messern angegriffen hatten. Ban wollte mit Regierungschef Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verhandeln.

Der UN-Generalsekretär mahnte die Konfliktparteien zu Zurückhaltung. "Es ist nicht zu spät, eine größere Krise zu vermeiden", sagte er am Dienstag nach einem Treffen mit Israels Präsident Reuven Rivlin. Keine Gesellschaft solle in Furcht leben. "Ich bin hier, um alle Versuche zu ermutigen und zu unterstützen, die die Spannungen verringern und verhindern, dass die Situation außer Kontrolle gerät."

Netanjahu warf Abbas vor, den jüngsten Konflikt angeheizt zu haben. "Präsident Abbas hat nicht eine der 30 Terrorattacken gegen Israelis im vergangenen Monat verurteilt", sagte Netanjahu nach einem Treffen mit Ban. Stattdessen verherrliche Abbas Terroristen als Helden.

Bereits vor seiner Ankunft hatte Ban Verständnis für die Palästinenser geäußert, deren Hoffnungen auf Frieden "unzählige Male enttäuscht" worden seien. "Ich bitte euch nicht, passiv zu sein - aber ihr müsst die Waffen der Verzweiflung niederlegen", sagte er in einer Videobotschaft. An die Israelis gewandt sagte er, harte Reaktionen auf Anschlägen könnten Frieden und Sicherheit nicht stärken.

Kurz vor Bans Eintreffen raste ein Palästinenser nach Polizeiangaben im Westjordanland mit seinem Auto in eine Gruppe Israelis. Dabei wurden Medienberichten zufolge ein Soldat und ein Zivilist verletzt. Danach sei er ausgestiegen und mit einem Messer auf Umstehende losgegangen. Der Angreifer sei erschossen worden, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld.

Bei Zusammenstößen von Soldaten mit palästinensischen Demonstranten im Westjordanland verletzte ein 24-jähriger Palästinenser einen israelischen Offizier leicht mit einem Messer und wurde erschossen.

Ebenfalls im Westjordanland kam ein Israeli ums Leben. Palästinenser bewarfen sein Auto mit Steinen. Der Mann stieg aus und schlug mit einem Knüppel auf vorbeifahrende palästinensische Autos ein. Dabei wurde er von einem Lkw überfahren, wie ein AP-Reporter vor Ort beobachtete. Der palästinensische Fahrer stellte sich der Polizei und sagte aus, es handele sich um einen Unfall; er habe nicht mehr ausweichen können.

Bei einem dritten Zwischenfall nahe Jerusalems fuhr ein Palästinenser mit seinem Auto in eine Gruppe Israelis. Dabei habe er einen Soldaten und einen Zivilsten verletzt. Danach sei er ausgestiegen und mit einem Messer auf Umstehende losgegangen. Der Angreifer sei erschossen worden, sagte Polizeisprecher Rosenfeld.

An der Grenze zum Gazastreifen entdeckten israelische Soldaten nach Militärangaben Palästinenser, die einen Angriff vorbereiteten. Sie feuerten auf die Gruppe und töteten einen Palästinenser. Nach Angaben von Gesundheitsbehörden in Gaza wurden drei weitere verletzt.

Seit Mitte September hat die Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis wieder zugenommen. Zehn Israelis wurden seitdem getötet, die meisten durch Messerstiche. Im gleichen Zeitraum erschossen israelische Sicherheitskräfte 43 Palästinenser. Die täglichen Attacken haben Befürchtungen verstärkt, die Region stehe vor neuer schwerer Gewalt oder einer dritten Intifada.

(felt/ap)
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