Gazastreifen: Israel verbietet Aufenthalt in "Sicherheitszone"
zuletzt aktualisiert: 28.12.2005 - 21:24Jerusalem (rpo). Israel hat am Mittwoch mit einem Artilleriebeschuss des nördlichen Gazastreifens seine Drohung umgesetzt, eine Sperrzone zur Verhinderung von Raketenangriffen zu schaffen. Nur wenige Stunden zuvor warf die Luftwaffe Flugblätter ab, in denen palästinensische Einwohner aufgefordert wurden, die von Israel wegen der jüngsten Raketenangriffe verhängte Sperrzone zu respektieren.
"Jeder, der diese Warnung nicht beherzigt, bringt sich in direkte Gefahr", hieß es. "Wisset, dass die Terrororganisationen euch zu Geiseln und menschlichen Schutzschilden gemacht haben und euren Interessen schaden." Israelische Offiziere hatten sich außerdem mit Vertretern der palästinensischen Sicherheitskräfte getroffen, um die neue Politik zu erläutern. Ministerpräsident Ariel Scharon hatte am Sonntag die Streitkräfte angewiesen, die Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel zu unterbinden. Kernstück dabei ist die Schaffung einer Sperrzone im nördlichen Gazastreifen entlang der Grenze zu Israel.
In der Nacht hatte die israelische Luftwaffe nach einem Raketenbeschuss der nordisraelischen Stadt Kirjat Schemona auch eine Stellung palästinensischer Guerillas im Libanon angegriffen. Bei dem Beschuss Kirjat Schemonas wurde nach israelischen Angaben niemand verletzt. Der Luftangriff auf die PFLP-Stellung südlich von Beirut sei eine direkte Reaktion gewesen, erklärten die Streitkräfte.
Der Kommandeur der Volksfront für die Befreiung Palästinas Generalkommando (PFLP-GC) im Libanon, Anwar Raja, sagte, in dem Stützpunkt Naamah sieben Kilometer südlich von Beirut sei Sachschaden entstanden; zwei Guerillas seien leicht verletzt worden. Er wies den israelischen Vorwurf zurück, seine Leute hätten die Katjuscha-Raketen auf Kirjat Schemona abgefeuert.
Die palästinensische Regierungspartei Fatah entging unterdessen kurz vor Ablauf der Registrierungsfrist für die Parlamentswahl im kommenden Monat der Spaltung. Das Establishment um Präsident Mahmud Abbas einigte sich mit Vertretern der so genannten jungen Garde auf eine gemeinsame Liste mit deren in Israel inhaftiertem Intifada-Führer Marwan Barghuti auf einem Spitzenplatz. Zuvor hatten bewaffnete Barghuti-Anhänger vier Wahlbüros im Gazastreifen besetzt, um Listenplätze einzufordern.
Zwar seien nicht alle ihre Forderungen erfüllt worden, sagte Ahmed Ghneim, ein Verhandlungsführer der jungen Garde. "Aber wir schließen uns wieder zusammen, um einen Wahlsieg sicher zu stellen." Eine Spaltung der Fatah hätte die Chancen der radikalislamischen Hamas erhöht, aus der Parlamentswahl am 25. Januar als stärkste Kraft hervorzugehen.
Der Kompromiss im Fatah-internen Streit kam in einer Zeit, in der es für Abbas immer schwieriger zu sein scheint, sich im eigenen Lager durchzusetzen. Seine Aufforderung an militante Gruppen vom Dienstagabend, Raketenangriffe auf Israel einzustellen, wies die Organisation Islamischer Dschihad umgehend zurück. Abbas traf sich nach Angaben eines Sprechers am Dienstagabend mit Funktionären der militanten Organisationen. Wie Sajeb Erakat mitteilte, forderte Abbas die Gruppierungen auf, ihre Raketenangriffe auf Ziele in Israel einzustellen und sich an das Waffenstillstandsabkommen vom Februar zu halten.
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