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Israel Panzer Gaza-Streifen Panorama 081229 AP
  Foto: AP
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Terror-Organisation Hamas: Israel will "Krieg bis zum bitteren Ende"

zuletzt aktualisiert: 29.12.2008 - 13:59

Gaza/Jerusalem (RPO). Die islamistische Terrororganisation Hamas steht unter Druck: Israels Verteidigungsminister Barak kündigte einen "gnadenlosen Krieg" an. Der Gegner ist in den letzten Monaten mächtiger geworden: Die Hamas ist populär und erhält millionenschwere Spenden. Ihr Ziel ist die Zerstörung Israels und ein islamischer Staat in Palästina.

"Wir haben nichts gegen die Bewohner des Gaza-Streifens, aber wir führen einen gnadenlosen Krieg gegen die Hamas und ihre Verbündeten", sagte Verteidigungsminister Ehud Barak am Montag vor dem Parlament in Jerusalem. Nachdem sich Israel lange zurückgehalten habe, kämpfe es jetzt mit "einem moralischen Vorteil". Man werde bis "zum bitteren Ende kämpfen" und erst Verhandlungen aufnehmen, wenn die Angriffe eingestellt würden.

Die Kämpfer der Hamas feuerten absichtlich auf israelische Zivilisten und versteckten sich bei palästinensischen Zivilisten, sagte Barak. Israel hingegen bemühe sich, zivile Opfer zu vermeiden, und lasse humanitäre Hilfe für die Menschen im Gaza-Streifen zu.

In dem Küstenstreifen, wo auf 360 Quadratkilometern 1,5 Millionen Menschen leben, hat die Hamas vor anderthalb Jahren die Macht übernommen. Die Organisation wurde kurz nach Beginn der ersten Intifada am 14. Dezember 1987 von Scheich Ahmed Jassin gegründet, der im März 2004 von der israelischen Armee getötet wurde. Hamas ist die Abkürzung für die arabische Bezeichnung "Harakat el Mukawama el Islamija" ("Islamische Widerstandbewegung"). Das Wort selbst bedeutet Eifer und Begeisterung. Ihr Ziel ist die Zerstörung Israels und die Errichtung eines islamischen Staates in Palästina. Die Hamas, die für viele Selbstmordattentate verantwortlich ist, wird auch von den USA und der europäischen Union als Terrororganisation eingestuft.

Die Bewegung entstand als Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft und verstand sich als Gegenpol zur Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO. Sie trat zunächst unter dem Namen "El Mudschama el Islami" als Wohlfahrtsorganisation auf und gründete zahlreiche soziale Dienste, darunter viele Schulen, was ihre Popularität in der verarmten Bevölkerung des Gazastreifens erklärt.

Israel bereitete den Weg

Ironischerweise ebnete Israel selbst den Weg für die derzeitige Situation: Der damalige Ministerpräsident Ariel Scharon befahl im Sommer 2005 gegen starken innenpolitischen Widerstand den Rückzug Israels aus dem Gaza-Streifen. 21 jüdische Siedlungen ließ er zwangsweise räumen – dramatische Bilder israelischer Soldaten, die gegen die eigenen Leute vorgingen. Als am Morgen des 12. September der letzte Militärkonvoi den Gazastreifen über den Grenzübergang Kissufim verließ, endete nach 38 Jahren Israels Militärpräsenz.

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In den Straßen von Gaza wollten die Freudenfeiern mit Autokorsos und Gewehrsalven nicht enden. Die im Gaza-Streifen mächtige Hamas vermarktete den Abzug als Ergebnis ihrer Gewaltstrategie, die Israel zum Abzug gezwungen habe und die künftig das Maß aller Auseinandersetzung mit den Israelis sein sollte. Dass Scharon den Abzug als Teil einer Friedenspolitik gegenüber Palästinenserpräsident Abbas verstand, wurde von der Hamas als plumper Verkleisterungsversuch von Israels Niederlage gedeutet.

Doch Israels Abzug brachte die Palästinenser im Gaza-Streifen an den Rand eines Bürgerkrieges. Es ging um die Machtfrage. Die radikale Hamas und die Abbas zugeneigte gemäßigte Fatah lieferten sich erbitterte Kämpfe. Am Ende übernahm Mitte Juni 2007 die Hamas die Kontrolle über das komplette Gebiet. Die gemäßigten Palästinenser sprachen von Putsch, sie wurden entmachtet, Abbas-Anhänger verließen Gaza und ließen sich in Ramallah, im Zentrum des Westjordanlandes (dem zweiten Autonomiegebiet) nieder. Absprachen, die Präsident Abbas mit den Israelis traf, schob die Hamas-Führung unter ihrem Anführer Ismail Hanija beiseite. Sie beschoss Israel weiter mit Kassam-Raketen.

Millionenspenden für Waffen

Trotz der isolierten Lage im Gaza-Streifen ist die Hamas nicht von der Außenwelt abgeschnitten. Über ein ausgeklügeltes Tunnelnetz bestehen Verbindungen nach Ägypten, von wo Waffen und eben Raketen geliefert werden. An dem stattfindenden Schmuggel von Zigaretten und anderen Waren verdient die Hamas über Zölle mit. Doch die Organisation hat auch andere Geldquellen. Ihr politischer Führer Chaled Maschaal, der in der syrischen Hauptstadt Damaskus im Exil lebt, hat beste Kontakte in den Iran. Experten schätzen, dass die Mullahs Subventionen in dreistelliger Millionenhöhe leisten. Auch auf der arabischen Halbinsel soll es solvente Gönner geben.  

Die mit den Spenden finanzierten Angriffe zwangen Israel zum Handeln. Die Regierung in Jerusalem hatte im September 2007 den Gaza-Streifen zum "feindlichen Gebiet" erklärt. So sollte Druck geschaffen werden, damit die radikal-islamistische Gruppe ihren Raketenbeschuss einstellte. Im November vereinbarten Israels Regierungschef Olmert und Abbas bei der Nahost-Konferenz in Annapolis (USA) die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen. Die Hamas, die schätzungsweise 20.000 Männer unter Waffen stehen haben soll, lehnte das kategorisch ab.

Da der Raketenbeschuss weiterging, riegelte Israel den Gazastreifen im Januar 2008 ab. Die Menschen wurden mit Nahrungsmittelknappheit und Stromausfällen konfrontiert. Der im Juni vereinbarte Waffenstillstand wurde von der Hamas kurz vor Weihnachten für beendet erklärt und der Beschuss Israels intensiviert - mit den bekannten Folgen.


 
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