Krieg im Libanon +++ Beirut unter Feuer: Israel will Libanon von der Außenwelt abriegeln
zuletzt aktualisiert: 13.07.2006 - 14:10Gaza (rpo). Israel will den Libanon komplett von der Außenwelt abschneiden. Für die Abriegelung des Nachbarlandes ist die israelische Armee in libanesische Gewässer vorgedrungen. Am Morgen hatte die Luftwaffe den internationalen Flughafen und einen Vorort Beiruts bombardiert.
"Israel verhängt eine Blockade zu Luft, zu Wasser und zu Land in Rahmen der Operation zur Rückführung seiner zwei entführten Soldaten", teilte der Armeerundfunk am Donnerstag unter Berufung auf den Generalstab mit. Die israelische Armee hatte das Land zuvor mit einer Welle von Luftangriffen überzogen. Dabei kamen nach libanesischen Angaben 27 Zivilisten ums Leben.
Die israelische Armee griff in der Nacht zum Donnerstag die südlibanesische Hafenstadt Tyrus und mehrere Dörfer an. Ziele der israelischen Luftwaffe seien vor allem Verstecke gewesen, in denen die Hisbollah große Mengen Waffen und Munition aufbewahre, sagte eine Armeesprecherin. Am Morgen flog die Armee auch Angriffe auf das Beiruter Stadtviertel Haret Hreik, eine Hochburg der schiitischen Hisbollah-Milizen. Dort befindet sich das Hisbollah-Hauptquartier sowie der Hisbollah-Fernsehsender El Manar.
Die Armee griff zudem den internationalen Flughafen von Beirut mit mehreren Raketen an. Der Flughafen habe als Waffenumschlagplatz gedient, sagte eine israelische Militärsprecherin. Die libanesische Regierung habe dies nicht unterbunden. Der Flughafen wurde nach den Angriffen gesperrt. Die Luftwaffe flog zudem Attacken auf das Stadtviertel Haret Hreik, wo sich das Hauptquartier der schiitischen Hisbollah-Miliz befindet, wie die Hisbollah mitteilte. Dabei wurde den Angaben zufolge der Sitz des Hisbollah-Fernsehsenders El Manar getroffen.
Bei den Luftangriffen im Südlibanon wurden nach libanesischen Polizeiangaben mindestens 27 Zivilisten getötet, unter ihnen zehn Kinder unter 15 Jahren. Mindestens 20 weitere Menschen wurden nach Angaben von Polizei und Krankenhäusern bei den Angriffen auf mehrere Ortschaften verletzt. Unter den Toten war demnach auch eine zehnköpfige Familie. Es handele sich um den schiitischen Geistlichen Adel Akkasche, seine Frau und seine acht Kinder, hieß es. Das Haus der Familie in Dueir in der Region Nabatije, 70 Kilometer südlich von Beirut, sei bei einem Angriff israelischer Kampfflugzeuge zerstört worden.
Hisbollah beschießt Israel
Die Hisbollah-Miliz beschoss Donnerstagmorgen Orte im Norden Israels mit Raketen. Nach israelischen Militärangaben feuerte sie dutzende Katjuscha-Raketen auf Ortschaften entlang der Grenze zum Libanon. In der Stadt Naharija am Mittelmeer wurde nach Angaben von Ärzten eine Israelin getötet. Nach Armeeangaben gab es zudem mehrere Verletzte. Die Menschen in den Grenzorten wurden aufgefordert, in ihre nächtlichen Unterschlüpfe zurückzukehren. Die Hisbollah teilte in einer Erklärung mit, sie habe "als Vergeltung für die Massaker an Zivilisten im Südlibanon" die Ortschaft Naharija und den Flughafen von Kirjat Schmona in Nordisrael angegriffen.
Die Hisbollah erklärte außerdem, sie habe in der Nacht zum Donnerstag die Kommandozentrale der israelischen Armee in Nordisrael mit Raketen angegriffen. Die Stellung Branit sei mit voller Wucht getroffen worden, hieß es. Es habe "Verluste" unter den israelischen Soldaten gegeben.
Angriff auf palästinensisches Ministerium
Nach Angaben von Augenzeugen feuerte die israelische Luftwaffe am Donnerstag in den frühen Morgenstunden mehrere Raketen auf das palästinensische Außenministerium in Gaza. Nach Angaben von Ärzten wurden mindestens zehn Palästinenser verletzt. Bei dem Angriff seien Häuser in der Nachbarschaft des Ministeriums getroffen worden. Bei weiteren israelischen Angriffen waren am Mittwoch im Gazastreifen 23 Palästinenser getötet worden. Insgesamt starben seit Beginn der israelischen Offensive in dem Gebiet bereits mindestens 70 Palästinenser.
Beim Einschlag der Bombe stieg ein Feuerball und anschließend dichter Rauch zum Himmel auf. Die drei oberen Etagen des neunstöckigen Ministeriums wurden zerstört. Laut Al Nunu hielten sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Menschen in dem Gebäude auf.
Die israelische Regierung hatte am Mittwochabend eine Fortsetzung ihrer Militäroffensive im Libanon beschlossen, nachdem die Hisbollah am Morgen zwei israelische Soldaten im israelisch-libanesischen Grenzgebiet verschleppt hatte. Israel macht die Regierung in Beirut für die Entführung verantwortlich.
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