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Zur Zerstörung von Tunneln zum Waffenschmuggel: Israelis stoßen in Flüchtlingslager vor - Sechs Tote

zuletzt aktualisiert: 10.10.2003 - 09:37

Rafah/Gaza (rpo). Mit Dutzenden Panzern ist die israelische Armee in das palästinensische Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen eingerückt. Dabei wurden sechs Palästinenser getötet.

Bei einer der größten israelischen Militäraktionen der vergangenen Monate sind am Freitag im Gazastreifen mindestens sechs Palästinenser getötet und etwa 50 weitere Personen verletzt worden. Mit Dutzenden Panzern und Kampfhubschraubern rückten die Truppen in der Nacht ins Flüchtlingslager Rafah ein, das an der Grenze zu Ägypten liegt. Ziel der Razzia, die nach Militärangaben mehrere Tage dauern könnte, sei es, Tunnel für den Waffenschmuggel zu zerstören, sagte ein Armeesprecher.

Zwischen Soldaten und bewaffneten Palästinensern kam es zu Feuergefechten, die bis zum Morgen anhielten. Mit Bulldozern rissen die Soldaten drei Gebäude nieder, aus denen ihren Angaben zufolge geschossen wurde. Heftige Explosionen waren zu hören. Die Streitkräfte erklärten, Palästinenser hätten Handgranaten geworfen und mit Panzerabwehrraketen auf die Truppen gefeuert. Augenzeugen sagten, es seien israelische Scharfschützen auf den Dächern postiert worden, und Soldaten hätten eine Granate auf einen Transformator geschossen, was zu einem Stromausfall im Lager führte.

Unter den Toten waren nach palästinensischen Angaben Frauen und Kinder. Ali Musa, Direktor eines kleinen Krankenhauses in Rafah, sagte, viele Verletzte müssten operiert werden. Sein Krankenhaus habe aber nur einen Operationssaal und verfüge nicht über ausreichend Arzneimittel oder medizinische Versorgungsgüter. Wegen den von Israel auferlegten Beschränkungen sei es nicht möglich, die Schwerverletzten in andere Krankenhäuser zu verlegen.

Die meisten Opfer gab es offenbar, als ein Kampfhubschrauber eine Rakete in eine Menschenmenge feuerte. Die Armee erklärte, Ziel sei eine Gruppe bewaffneter Palästinenser gewesen. Laut Musa handelte es sich bei mindestens zwei der Toten um Mitglieder militanter Organisationen.

Nach Armeeangaben gab es vor der groß angelegten Aktion Hinweise, dass militante Palästinenser versuchen, in den Besitz von Flug- und Panzerabwehrraketen sowie Katjuscha-Raketen zu gelangen. Da die ägyptische Regierung dem Schmuggel keinen Einhalt biete, müsse Israel selbst handeln, erklärten Vertreter der Streitkräfte. Die Truppen wurden von Spezialeinheiten mit Hunden begleitet, die für das Aufspüren von Tunneln ausgebildet sind.

Arabische Staaten wollen UN-Votum gegen Grenzzaun

Die Staaten der Arabischen Liga wollen bei den Vereinten Nationen erreichen, dass der Sicherheitsrat den Bau des umstrittenen israelischen Grenzwalls als illegal verurteilt. Der syrische UN-Botschafter Faissal Mekdad brachte am Donnerstag in New York den Entwurf einer Resolution ein, in der der Abriss der Absperrung am Rande des Westjordanlands gefordert wird. Über die Vorlage wollte der Sicherheitsrat noch am Freitag diskutieren. In dem Entwurf heißt es, Israels Vorgehen verstoße gegen geltendes Völkerrecht. Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman sagte, die Palästinenser würden "wie immer" versuchen, die Debatte weg vom Terror zu lenken.

UN-Generalsekretär Kofi Annan verschob wegen der angespannten Lage im Nahen Osten eine Reise nach Indien und Sri Lanka, wie ein UN-Sprecher am Freitag in Neu-Delhi mitteilte. Annan sei der Ansicht, dass er gegenwärtig im UN-Hauptquartier in New York gebraucht werde.


 
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