Libanon-Krieg "misslungen": Israelischer Armeechef zurückgetreten
zuletzt aktualisiert: 17.01.2007 - 06:31Jerusalem (RPO). Fünf Monate nach dem Ende des Libanon-Kriegs hat der angeschlagene israelische Generalstabschef Dan Halutz seinen Rücktritt eingereicht. In seinem Schreiben an Ministerpräsident Ehud Olmert übernahm er die Verantwortung für den Feldzug in den Libanon, der nach Meinung der meisten Israelis misslungen war.
Seine "Auffassung von Verantwortung" dränge ihn zum Rücktritt, schrieb Halutz. Halutz ist das bislang ranghöchste Opfer aus den Reihen der für den Libanon-Krieg politisch und militärisch Verantwortlichen.
Er ziehe die Lehren aus dem Geschehenen, hieß es in Halutz' Schreiben weiter. Unter diesen Vorausstzungen sei es seine "Pflicht" abzutreten. Olmert habe seinen Armeechef vergeblich bedrängt, den Rücktritt aufzuschieben, bis die Kommission zur Untersuchung der Mängel des Libanon-Kriegs ihren offiziellen Abschlussbericht vorgelegt habe, hieß es in Militärkreisen und im Rundfunk. Anfang Januar hatte Halutz bei Rücktrittsforderungen noch abgewunken. Sein Stellvertreter, General Mosche Kaplinsky, wird übergangsweise sein Nachfolger.
Olmert, Perez und Halutz stehen seit dem Ende des Libanon-Kriegs unter Druck. Ihnen wird angelastet, dass Israel keines seiner Hauptziele im Libanon erreicht habe. So sei während des 34-tägigen Krieges vom Juli und August 2006 weder erreicht worden, dass die schiitische Hisbollah-Miliz langfristig militärisch geschwächt wurde, noch wurden zwei entführte israelischen Soldaten befreit. Deren Verschleppung Anfang Juli hatte den Konflikt ausgelöst.
Mitte September hatte die Regierung eine Untersuchungskommission unter dem pensionierten Richter Elijahu Winograd eingesetzt. Seit Ende Dezember liegt der Armeeführung ein vorläufiger Bericht vor, in dem Mängel des Krieges aufgezeigt werden. Demnach waren beispielsweise mehrere tausend Reservisten zu spät einberufen worden. Auch sei es nicht gelungen, das Abfeuern mehrerer tausend Raketen auf israelisches Territorium zu unterbinden. Selbst aus den Reihen der Armee kamen Beschwerden, der Feldzug sei teils chaotisch verlaufen. Insgesamt kamen während des Krieges 162 Israelis ums Leben, davon waren 41 Zivilisten. Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission soll im Februar vorliegen.
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