Libanon-Einsatz: Israelisches Volk mit Kriegsführung unzufrieden
zuletzt aktualisiert: 11.08.2006 - 14:50Jerusalem (rpo). Einen Monat nach Beginn der Libanon-Offensive verliert der israelische Ministerpräsident Ehut Olmert an Rückhalt beim Volk. Zwar sprach sich in Umfragen eine Mehrheit für die Fortführung des Einsatzes aus, allerdings waren viele Israelis mit der Amts- und Kriegsführung Olmerts nicht zufrieden.
In einer am Freitag veröffentlichten Erhebung der Tageszeitung "Haaretz" zeigten sich nur 48 Prozent der Befragten zufrieden mit Olmerts Amtsführung seit Beginn des Einsatzes am 12. Juli. 40 Prozent äußerten ihre Unzufriedenheit. In einer Umfrage der Zeitung "Jediot Aharonot" gaben 45 Prozent der Befragten an, mit der Art der Kriegsführung im Libanon nicht einverstanden zu sein. Zwei Drittel der Befragten sprachen sich allerdings dafür aus, den Einsatz fortzuführen.
In den Zahlen spiegelt sich die wachsende Skepsis der israelischen Öffentlichkeit in der Bewertung des Libanon-Einsatzes wider. Noch in der vergangenen Woche hatten sich in Umfragen drei Viertel der Befragten zuversichtlich gezeigt, dass ein Sieg über die Hisbollah kurz bevorstehe. In Israel wird zunehmend die Frage laut, warum die Hisbollah trotz der groß angelegten Offensive immer noch in der Lage ist, Israel mit Raketen unter Beschuss zu nehmen.
350 Gefangene
Unterdessen halten die israelischen Streitkräfte nach einem Einsatz im Libanon 350 libanesische Soldaten und Polizisten fest und betrachten sie als "Gefangene". Jetzt sollen UN-Truppen die Eingeschlossenen evakuieren. Der libanesische Innenminister Ahmed Fatfat hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, israelische Soldaten seien am Nachmittag in die Garnison der libanesischen Streitkräfte in Mardschajun eingedrungen. Als die libanesischen Soldaten und Polizisten hätten abrücken wollen, sei ihnen das verwehrt worden. "Wir betrachten sie als Gefangene", sagte Fatfat.
Zwei Panzerfahrzeuge der UNIFIL sollen nach Mardschajun aufgebrochen sein, um die libanesischen Sicherheitskräfte aus der Stadt zu geleiten, verlautete am Freitag aus libanesischen Sicherheitskreisen. Berichten libanesischer Medien zufolge wurde ihre Evakuierung durch die UNIFIL von den USA und Frankreich arrangiert.
Im Südlibanon sind insgesamt rund 1.000 libanesische Soldaten stationiert, kontrolliert wird das Gebiet aber von der Hisbollah-Miliz. Die Regierung in Beirut hat vorgeschlagen, die Präsenz der libanesischen Streitkräfte im Süden auf 15.000 zu verstärken, um so den Kämpfen zwischen der Hisbollah und Israel ein Ende zu setzen. Israel will aber erst aus dem Südlibanon abziehen, wenn dort eine internationale Friedenstruppe mit robustem Mandat im Einsatz ist.
Russlands Resolutionsentwurf
Unterdessen hat Russland dem Weltsicherheitsrat einen neuen, eigenen Resolutionsentwurf zur Krise in Nahost vorgelegt. Gefordert wird darin eine 72-stündige Waffenruhe im Libanon. Die Lage sei zu ernst, als das man auf ein Konzept zur dauerhaften Lösung warten dürfe, begründete Russland den Schritt.
Wie der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin am Donnerstag mitteilte, soll ein Stopp der Feindseligkeiten die humanitäre Hilfe im Libanon ermöglichen.
Israels Ablehnung
Israel lehnte die Initiative prompt ab: "Das wäre eine sehr schlechte Lösung", sagte der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman am Freitag im israelischen Radio über den russischen Entschließungsentwurf. "Sie würde der Hisbollah erlauben, sich neu zu gruppieren." Der russische Vorstoß zeige vor allem, dass die Regierung in Moskau bei der Überwindung des Konflikts "eine unabhängige Politik" verfolgen wolle.
Auch der amerikanische UN-Botschafter John Bolten sagte, er halte es nicht für hilfreich, die Aufmerksamkeit von den Verhandlungen über den amerikanisch-französischen Resolutionsentwurf zum Stopp der Kämpfe abzulenken. Bolton hatte zuvor nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Jean-Marc de La Sablière erklärt, es sei möglich, dass am Freitag über einen neuen Resolutionsentwurf abgestimmt werde. Man habe einige Differenzen mit den Franzosen beigelegt.
Die USA und Frankreich wollen sicherstellen, dass die Resolution sowohl für Israel als auch für den Libanon akzeptabel ist. Die Regierung in Beirut hatte den ersten amerikanisch-französischen Resolutionsentwurf abgelehnt. Einem israelischen Fernsehbericht zufolge sieht der jüngste Vorschlag, der eine stärkere Rolle der UN-Truppen im Südlibanon einschließt, die Aufstockung der UNIFIL von derzeit 2.000 auf 20.000 Blauhelme vor. Daran sollen laut dem Bericht auch Deutsche beteiligt sein.
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