Ehemaliger US-Diplomat: Ist Bin Laden längst gestorben?
zuletzt aktualisiert: 12.09.2009 - 16:26Düsseldorf (RPO). Auch acht Jahre nach den verheerenden Anschlägen vom 11. September 2001 ist noch immer ein Kopfgeld von 50 Millionen Dollar auf Osama bin Laden, den mutmaßlichen Drahtzieher, ausgesetzt. Doch pünktlich zum Jahrestag der Terror-Attacken kochen auch die Spekulationen wieder hoch: Lebt der meistgesuchte Top-Terrorist der Welt wirklich noch oder handelt es sich nur um ein Phantom?
Als erster sorgte der ehemalige US-Diplomat und Universitätsprofessor Angelo M. Codevilla mit der brisanten These für Wirbel. "Alle Beweise sprechen dafür, dass Elvis Presley lebendiger ist als Osama bin Laden", schrieb er im März 2009 provokant für das konservative US-Magazin "The American Spectator". Codevilla weist unter anderem darauf hin, dass es seit Oktober 2001 keine Person mehr gäbe, die ihn persönlich gesehen haben will.
Die danach veröffentlichten Videos hält Codevilla allesamt für Fälschungen. Einige zeigten ihn mit einer gebogenen, andere mit einer kleineren und flacheren Nase. Weiterhin verwies der Professor damals auf eine Untersuchung des Schweizer Dalle Molle Institute for Artificial Intelligence, die die Tonspur der Videos auf ihre Authentizität hin prüfte. Das Instituts verglich die Stimmenaufzeichnungen mit 15 verbürgten Audio-Mitschnitten des Terroristenführers. Dabei sei nur eine der Aufzeichnungen unsicher, 14 aber ganz sicher nicht die Stimme Bin Laden gewesen.
Begründete Zweifel an Bin Ladens "Lebendigkeit"
Mit dieser Behauptung steht er in der akademischen Welt nicht alleine da. Acht Jahre nach den Anschlägen kommt ein Buch in Großbritannien und den USA auf den Markt, das für weiteren Wirbel sorgen könnte: Darin zweifelt auch der politische Analyst David Ray Griffin, emeritierter Professor der Claremont School of Theology in Kalifornien, an der Lebendigkeit Bin Ladens. In dem Buch mit dem Titel "Osama Bin Laden: Dead or Alive?" stellt Griffin die Behauptung auf, Osama bin Laden sei bereits am 13. Dezember 2001 an Nierenversagen in dem afghanischen Höhlenkomplex Tora-Bora gestorben.
Sollte bin Laden wirklich tot sein – woher stammen dann die Videobotschaften, die den Al-Qaida-Führer zu zeigen scheinen? Auch auf diese Frage hat Griffin eine Antwort: Er glaubt, westliche Geheimdienste hätten die Videos gefälscht, um mit Bin Laden ein Schreckgespenst aufrecht zu erhalten und so den Krieg gegen Afghanistan und den Irak zu rechtfertigen.
Besonderes Augenmerk richtet Griffin auf das am 13. Dezember 2001 veröffentlichte Video, dem angeblichen Todestag des Terroristen. Seit diesem Tag sehe Bin Laden deutlich verändert aus: Die Statur breiter, der Bart plötzlich dunkler. Während Bin Laden zuvor mehrmals die Verantwortung für die Anschläge vom 11. September 2001 abgestritten habe, bekannte er sich nun zu ihnen – damals ein Erfolg für US-Präsident George W. Bush und Großbritanniens Premierminister Tony Blair, die in Afghanistan vorgaben, einen "Krieg gegen den Terror" zu führen.
Man mag diese These als eine weitere der zahlreichen teils absurden Verschwörungstheorien rund um die Anschläge abheften, die seit dem 11. September 2001 in der Welt herum spuken. Fraglich ist jedenfalls, warum sich niemand aus der ersten Riege von Al Qaida gemeldet hat, um den angeblichen falschen Bin Laden zu entlarven. Zahlreiche andere Terrorexperten halten die Videos außerdem für echt.
Fest steht andererseits aber auch, dass gerade die Regierung Bush zu Beginn von dem "Krieg gegen den Terror" profitierte. Das war offenbar auch der US-Regierung bewusst. Erst kürzlich berichtet der ehemalige Chef des Heimatschutzministeriums, Tom Ridge, in seinen als Buch veröffentlichten Memoiren, er sei kurz vor den Wahlen 2004 von Justizminister John Ashcroft gedrängt worden, die Terrorwarnstufe anzuheben.
Als Grund wurde Ridge zufolge damals ein pünktlich zu den Präsidentschaftswahlen aufgetauchtes neues Video von Osama bin Laden angeführt. Der Heimatschutzminister sträubte sich damals, denn außer dem Video gab es aus seiner Sicht kein Indiz für eine erhöhte Gefahrenlage. Bush siegte dennoch knapp in einem Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den demokratischen Herausforderer John Kerry.
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