Humanitärer Notstand: Italien erwartet Flüchtlingswelle
zuletzt aktualisiert: 13.02.2011 - 21:45Rom (RPO). Bereits etwa 4000 zumeist tunesische Flüchtlinge haben in den vergangenen Tagen die italienische Insel Lampedusa erreicht - die Regierung rechnet mit einem weiteren Ansturm. Die italienische Regierung erklärte am Wochenende den humanitären Notstand. Die Küstenwache suchte mit Schiffen und Flugzeugen nach weiteren Booten von Menschenschmugglern.
In den 24 Stunden bis Sonntagabend seien 16 Boote mit Flüchtlingen auf der Insel angekommen, sagte eine Offizierin der Küstenwache, Claudia Viccica, der Nachrichtenagentur AP. Davon allein zehn Boote in der Nacht.
Kurzfristiger Besuch in Tunis anberaumt
Außenminister Franco Frattini, der in der kommenden Woche bereits Reisen nach Syrien und Jordanien geplant hatte, wird am (morgigen) Montagabend nun kurzfristig nach Tunis fliegen, um dort mit dem tunesischen Ministerpräsidenten über die Massenflucht zu sprechen, teilte Mitarbeiter des italienischen Außenministeriums mit.
Viele der Neuankömmlinge werden in einem von Zäunen umgebenen Fußballplatz gesperrt, bis sie in Auffanglager auf Sizilien oder dem Festland gebracht werden. Die Behörden bemühen sich, ein stillgelegtes Auffanglager auf Lampedusa wieder betriebsbereit zu machen.
Aus Sorge darüber, dass sich unter den Flüchtlingen Terroristen oder gewöhnliche Kriminelle befinden könnten, begannen die Behörden unterdessen, die Menschen mit Fähren und Flugzeugen in ein Abschiebelager nach Sizilien zu bringen.
Ein Toter bei Bootsunglück vor tunesischer Küste
Die Erklärung des humanitären Notstands erlaube es der Zivilschutzbehörde, bei der Umsetzung der "notwendigen Maßnahmen zur Kontrolle des Phänomens" zu helfen, teilte das Büro von Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit. Welche Maßnahmen genau damit gemeint sind, wurde nicht erklärt.
Unterdessen berichtete die amtliche tunesische Nachrichtenagentur TAP, ein Flüchtling sei ums Leben gekommen, als sein mit zwölf Menschen besetztes Boot vor der tunesischen Küste gesunken sei. Ein weiterer Flüchtling gelte als vermisst.
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