Tausende protestieren in zahlreichen Städten: Italiens Frauen revoltieren gegen Berlusconi
zuletzt aktualisiert: 13.02.2011 - 18:04Rom (RPO). Tausende wütende Italienerinnen sind am Sonntag im ganzen Land gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf die Straßen gezogen. Sie protestieren gegen den Chauvinismus. Ihr Zorn richtet sich gegen das durch Berlusconis Handeln propagierte Frauenbild. Berlusconis Tändeleien mit jungen Frauen seien für alle Frauen entwürdigend, sagen sie.
Die Frauen skandierten "Italien ist kein Bordell" und forderten Berlusconi auf Transparenten zum Rücktritt auf. Angeführt von Schauspielerinnen, Politikerinnen und anderen prominenten Italienerinnen gingen Frauen in der Hauptstadt Rom und in mehr als 200 anderen Städten des Landes auf die Straße. Damit erhöht sich der innenpolitische Druck auf den 74-jährigen Regierungschef. Er könnte wegen des Vorwurfs, eine Minderjährige für Sex bezahlt zu haben, in Kürze vor Gericht gestellt werden.
Der Ministerpräsident hat seine Schwäche für hübsche, junge Frauen mehrfach öffentlich eingeräumt. Allerdings sieht er sich selbst als das Opfer einer von linken Staatsanwälten geführten Kampagne, um ihn aus dem Amt zu drängen. Unterstützer des 74-jährigen Berlusconi tun die Proteste als politisch motiviert ab. Gegen den Regierungschef laufen Ermittlungen, weil er eine 17-jährige aus Marokko stammende Nachtklubtänzerin für Sex bezahlt haben soll. Beide bestreiten die Vorwürfe.
"Wenn nicht jetzt - wann dann?"
"Ich liebe meinen Freund kostenlos" war auf einem Transparent in Rom zu lesen, wo sich zahlreiche Frauen jeden Alters versammelt hatten. Zum Teil begleitet von Ehemännern, Freunden und Brüdern machten sie ihrem Ärger über den Ministerpräsidenten Luft - wie Roberta Nicchiarelli: "Das Bild, das Berlusconi der Welt von unserem Land vermittelt, ist einfach unerträglich", sagte die 52-Jährige.
Rund 9000 Demonstranten protestierten am Sonntag allein in Venedig gegen ein "Beziehungsmodell zwischen Männern und Frauen", das mit Berlusconi von einer der wichtigsten Persönlichkeiten des Landes geprägt werde. In Pescara an der Adria-Küste war ein Platz im Zentrum "so voll von Demonstranten wie seit Jahrzehnten nicht mehr", wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete.
Tausende Menschen zogen in einem Protestmarsch auch durch Palermo auf Sizilien. "Lasst uns die Würde der Frauen verteidigen", stand auf dem Schild an der Spitze des Umzugs. Die landesweiten Proteste standen unter dem Motto "Wenn nicht jetzt - wann dann?". Die Initiatoren wollen damit gegen ein Frauenbild kämpfen, wonach Frauen angeblich nur hübsch aussehen dürfen und sich ansonsten um die Familie zu kümmern haben. Sie kritisieren zudem, dass Frauen in Zeitschriften und Werbung oftmals als Sexobjekt dargestellt werden. Ihrer Ansicht nach haben die Eskapaden um Berlusconi dem Ansehen der Frauen geschadet. In Triest forderten die Demonstranten deshalb auch seinen Rücktritt.
Lesungen und Flash-Mobs
Im Tagesverlauf waren in zahlreichen weiteren Städten Demonstrationen, Lesungen und sogenannte Flash-Mobs gegen das von der Politik und den Medien vermittelte Frauenbild geplant. Auch im Ausland gab es Proteste: Vor dem italienischen Kulturzentrum in Tokio demonstrierten am Sonntag rund hundert Menschen.
Zu den Protesten hat eine unabhängige Frauenbewegung im Internet aufgerufen, die von namhaften Persönlichkeiten und inzwischen auch von Politikerinnen unterstützt wird. Anhänger Berlusconis sehen in den Demonstrationen allerdings eine vom linken Lager gegen den Regierungschef initiierten Kampagne. Fabrizio Cicchitto von Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PDL) erklärte, die Demonstranten gehörten zu der "von der Linken gegründeten Anti-Berlusconi-Bewegung". Berlusconi droht ein Prozess, weil er eine minderjährige Marokkanerin für Sex bezahlt haben soll.
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