Überraschende Energiewende : Japan beschließt Atomausstieg bis 2040
zuletzt aktualisiert: 14.09.2012 - 10:28Tokio (RPO). Eineinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima beschließt Japan den Atomausstieg. Auf einem Ministertreffen sei am Freitag die Entscheidung gefällt worden, in den "2030er Jahren" aus der Atomenergie auszusteigen, wie japanische Medien meldeten. Japan folgt damit dem Beispiel Deutschlands.
Jahrzehntelang haben die Japaner an die Beteuerungen des Staates und der Atomlobby von der Sicherheit der Atommeiler geglaubt. Das hat sich radikal geändert. In Umfragen spricht sich inzwischen eine Mehrheit der Wähler gegen die Atomkraft aus. Trotz der Widerstände der Atomlobby können auch die Politiker des Landes diesen Wandel im Bewusstsein der Bevölkerung nicht mehr ignorieren. Laut Medienberichten wird die neue Energiepolitik der Regierung vorsehen, den Anteil der Atomkraft an der Energieversorgung bis 2030 von ehemals rund 30 Prozent auf 15 Prozent oder weniger zu reduzieren - als Zwischenetappe. Die bestehenden AKW sollen nach 40 Jahren Laufzeit abgeschaltet werden. Am Ende solle Japan atomfrei sein.
Bis zur Katastrophe von Fukushima im März 2011 hat Japan die Nutzung der Kernenergie nie infrage gestellt, sondern stetig ausgebaut. Nach dem Unglück wurden zeitweise alle 50 einsatzfähigen Reaktoren im Lande zu Wartungsarbeiten abgeschaltet. Bis dahin hatten die Atomkraftwerke bereits 30 Prozent des Strombedarfs Japans gedeckt. Es gab Pläne, ihren Anteil mit dem Bau weiterer Akw bis 2030 auf mehr als 50 Prozent anzuheben.
Mit mehr als einer Million Gigawattstunden pro Jahr ist Japan der weltweit drittgrößte Stromverbraucher. Nur die USA und China verbrauchen mehr; Deutschland kommt auf 604.000 Gigawattstunden. Das an Bodenschätzen arme Land importiert 96 Prozent des Energiebedarfs.
Vor dem Abschalten der Reaktoren hatten führende Vertreter der Wirtschaft gewarnt, Strommangel und steigende Energiepreise könnten zu einer beschleunigten Abwanderung der Produktion aus Japan führen. Als Ersatz für Atomstrom wurden dann alte Thermalkraftwerke wieder angefahren. Die erhöhte Einfuhr von Erdgas und Rohöl trug dazu bei, dass Japan 2011 erstmals seit mehr als 30 Jahren ein Defizit in der Handelsbilanz auswies.

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