Wegen Bedrohung durch Nordkorea: Japanischer Politiker bringt Atombombe ins Gespräch
zuletzt aktualisiert: 15.10.2006 - 17:14Tokio (rpo). Nach den nordkoreanischen Atomtests spitzt sich die Lage in der Region weiter zu. Ein japanischer Politiker hat den Bau einer eigenen Atombombe ins Gespräch gebracht. Technisch wäre das Land, das in Hiroshima und Nagasaki Opfer von Atomangriffen wurde, in der Lage dazu.
Zuvor hatte der Weltsicherheitsrat Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen. Die entsprechende Resolution sieht keine militärischen Maßnahmen vor, untersagt jedoch unter anderem die Lieferung von Kriegsgerät. Nordkorea warf dem Sicherheitsrat "Gangster-Methoden" vor.
Nordkorea hat die UN-Resolution 1718 mit einer Serie von Sanktionsbeschlüssen "vollständig" zurückgewiesen. Der UN-Sicherheitsrat setze "Gangster-Methoden" ein, sagte der nordkoreanische Botschafter bei der UNO, Pak Gil Yon, am Samstag kurz nach dem einstimmigen Votum des höchsten UN-Gremiums für die Sanktionen. Die UNO verwende "zweierlei Maß", fügte Pak hinzu. Der Sicherheitsrat habe seine Unparteilichkeit "vollständig eingebüßt".
Die Resolution untersagt unter anderem die Lieferung von schwerem Kriegsgerät wie Panzern, Kampfflugzeugen und Raketen nach Nordkorea. Auf Druck von China und Russland wird ein militärisches Vorgehen gegen das Land aber ausdrücklich ausgeschlossen.
Die Resolution verurteilt den mutmaßlichen Atomtest als "klare Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit" und verlangt von Nordkorea, auf Nuklearwaffen zu verzichten. Zudem sieht sie Reisebeschränkungen und das Einfrieren von Guthaben aller Personen vor, die das nordkoreanische Waffenprogramm unterstützen. Auf Drängen Moskaus und Pekings beschloss der Sicherheitsrat aber kein totales Verbot des Handels mit konventionellen Waffen.
Erst kurz vor der Abstimmung hatten sich die fünf Veto-Mächte nach langwierigen Verhandlungen geeinigt. Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton drohte, wenn Pjöngjang sein Atomwaffenprogramm vorantreibe, würden die Vereinigten Staaten den Sicherheitsrat für weitergehende Strafmaßnahmen anrufen. Die Resolution erlaubt die Kontrolle aller Frachtschiffe von und nach Nordkorea, um den Handel mit Massenvernichtungswaffen oder ballistischen Raketen zu unterbinden. Der chinesische UN-Botschafter Wang Guangya bekräftigte nach der Abtimmung, dass diese Bestimmung für Peking weiter nicht akzeptabel sei.
Die USA haben nach dem mutmaßlichen Atomtest in Luftproben radioaktive Partikel gefunden. Noch sei aber nicht endgültig klar, ob Pjöngjang wirklich wie behauptet eine Bombe gezündet habe, hieß es am Samstag in US-Regierungskreisen. Eine andere Untersuchung, deren Ergebnisse am Freitag bekannt wurden, hatte nach Angaben amerikanischer Geheimdienstbeamter keine Radioaktivität nachgewiesen. Auch Japan und Südkorea registrierten bislang keine erhöhte Strahlung.
Zuvor hatten die USA in Luftproben Hinweise darauf gefunden, dass der Atomtest tatsächlich stattgefunden hat. Die jüngsten Erkenntnisse der USA stützten sich auf Proben, die am Mittwoch von einem Spezialflugzeug über dem Japanischen Meer eingesammelt wurden. Mit 80-prozentiger Sicherheit sei davon auszugehen, dass es sich bei der Explosion vom Montag wirklich um einen nordkoreanischen Atomwaffentest gehandelt habe, sagte ein US-Regierungsbeamter, der nicht namentlich genannt werden wollte: "Wir denken nicht, dass sie (die Nordkoreaner) versuchten, einen Atomtest vorzutäuschen. Wir denken, dass es ein nukleares Zischen war - ein gescheiterter Versuch."
Die Bundesregierung in Berlin geht indes davon aus, dass Nordkorea einen Atomtest durchgeführt hat, wie Kanzleramtsminister Thomas de Maizière laut "Bild am Sonntag" sagte. Klarheit gibt es seiner Einschätzung nach aber erst in der kommenden Woche. Dagegen sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, es werde möglicherweise nie ganz klar sein. "Ob der Test ein Bluff war oder nicht, lässt sich mit den Methoden, die wir derzeit zur Verfügung haben, nicht genauer bestimmen", sagte König der "Süddeutschen Zeitung".
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