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Jeb Bush und andere Probleme
Wenn der Name zum Fluch wird

Hartz, Bin Laden, Bush: Namen, die Probleme machen
Hartz, Bin Laden, Bush: Namen, die Probleme machen FOTO: ap
Düsseldorf. Jeb Bush reduziert seinen Namen in der Wahlkampagne, die ihn ins Weiße Haus tragen soll, auf ein simples "Jeb". Der Nachname "Bush" ist in den Augen seiner Wahlberater mehr Fluch als Segen, Vater George und Bruder George W. blieben bei Jebs erstem großen Auftritt lieber zu Hause. Schwacher Trost: Jeb ist mit seinem Fluch nicht allein. Von Philipp Stempel

Man könnte eigentlich meinen, dass es ein Vorteil sein müsste, wenn ein Politiker in seiner Familie mit gleich zwei lebenden Alt-Präsidenten aufwarten kann. So etwa bei Jeb Bush, der sich am Montag offiziell ins Rennen um die US-Präsidentschaft gestürzt hat. Vater George war 41., Bruder George W. 43. Präsident der Vereinigten Staaten.

Doch im Miami Dade College meidet der dritte Bush allzu große Nähe zur Familie. Schon vor der Veranstaltung hatte die Bush-Kampagne ein Logo präsentiert, das sich auf "Jeb!" reduzierte. "Nicht einer von uns verdient den Job durch das Recht der Übernahme, Partei, Dienstalter, Familie oder Familiengeschichten", sagte der Mann ohne Nachnamen.

Sympathiewerte wie ein Schwerverbrecher

Die Familie war lediglich in Person seiner Mutter vertreten, der früheren First Lady Barbara Bush. Und selbst die war wegen ihrer Vorgeschichte nicht wirklich eine Hilfe, hatte sie doch einst gesagt, dass das Land keinen weiteren Bush zum Präsidenten brauche. Entsprechend hatten sich Vater und Bruder Bush gar nicht erst in den Saal getraut.

Doch die Umfragen geben den Machern der Kampagne recht. Bush hat sich im Gegensatz zu Clinton bislang nicht von der Konkurrenz im Vorwahlkampf absetzen konnte. Der Familienname hat durch die Präsidentschaft von George W. Bush 2001 bis 2009 gelitten. Als Obama ihn ablöste, hatte er Sympathiewerte wie ein Schwerverbrecher.

In Deutschland haben Kevins ähnliche Probleme

Das hat sich offenkundig im Gedächtnis der Gesellschaft eingebrannt. Natürlich wird kein einziger Amerikaner Jeb Bush den Irak-Krieg anlasten, die Folterszenen von Abu Ghraib oder das schmachvolle Scheitern in Afghanistan. Doch der Name Bush schwingt immer mit. Ein ungerechtfertigtes Vorurteil, sicherlich. Aber dennoch eins, das Amerika nicht einfach ablegen kann.

In der Psychologie ist dieses Phänomen schon seit Jahrzehnten Ziel von Studien, und auch Philosophen haben sich darüber Gedanken gemacht, warum Menschen nicht in der Lage sind, vorurteilsfrei miteinander umzugehen. Insbesondere der Denker Hans-Georg Gadamer hat in diesem Zusammenhang das Vorurteil als Grundlage jeglicher Erkenntnis ausgemacht. Nur auf der Grundlage gemachter Erfahrungen sind wir in der Lage, etwas Neuem zu begegnen und mit den im Hintergundwissen verankerten Schemata abzugleichen. 

So ist das Schicksal von Jeb Bush alles andere als ein Einzelfall. Schon etliche andere Menschen haben die Erfahrung gemacht, wie es sich mit einem Namen lebt, der sie zum Opfer von Vorurteilen macht. In Deutschland machte in dieser Sache immer wieder der "Kevin-Fluch" Schlagzeilen. Eine Studie deckte auf, dass Lehrer Kinder benachteiligten, die auf den Namen Kevin getauft waren. Die Pädagogen gingen unterbewusst davon aus, dass ein Kind namens Kevin aus bildungsfernen Schichten stammen müsse und nicht so intelligent sein könne wie ein Elias oder Johannes.

Noch so ein verbrannter Name

Schwierig wird es auch bei Namen, die geschichtlich mit Krisen in Verbindung gebracht werden. Der frühere VW-Vorstand Peter Hartz weiß ein Lied davon zu singen. Sein Name steht für die ungeliebten Hartz-IV Reformen. Die frühere Arbeitsministerin Ursula von der Leyen fand den Klang so belastend, dass sie sogar anregte, die Sozialgesetze einfach umzubenennen.

Schlimmer noch wird es, wenn Begriff gar für Tod und Terror stehen. So setzte der saudi-arabische Bin-Laden-Konzern nach den Anschlägen auf das World Trade Center alles daran, sich vom Terror des "schwarzen Schafs" Osama zu distanzieren und erwog selbst eine Änderung des Namens.

Sehen Sie hier weitere Beispiele für Fälle, in denen der Name zum Fluch geworden ist.

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