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Nach Selbstmordanschlag
Jemen droht endgültig im Krieg zu versinken

Sanaa/Aden. Chaos und Gewalt bestimmen das Leben der Jemeniten seit Monaten. Mit Selbstmordanschlägen gegen die Huthi-Rebellen tritt nun angeblich auch erstmals der IS in den erbitterten Machtkampf ein. Die Zahl der Opfer kann erschreckender nicht sein.

Nach den blutigsten Terroranschlägen seit Jahrzehnten droht der Jemen in immer weiterem Chaos zu versinken. Vier Selbstmordattentäter griffen am Freitag zwei Moscheen in der Hauptstadt Sanaa an, in denen sich vor allem Anhänger der mächtigen schiitischen Huthi-Rebellen versammelt hatten. Deren Sender Al-Masirah bezifferte die Zahl der Toten ebenso wie die staatliche Nachrichtenagentur Saba mit 137, darunter waren mindestens 13 Kinder.
Es gab 357 Verletzte.

Zu den Anschlägen auf die Badr- und die Al-Haschusch-Moschee bekannte sich eine bis dahin unbekannte Zelle der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat, was die Sorge auslöste, der IS habe sein Einflussgebiet in den Jemen ausgeweitet. Erst vor wenigen Tagen hatten die Extremisten den Terroranschlag von Tunis für sich beansprucht.

Selbstmordanschlag: Im Jemen wurden zwei Moscheen angegriffen. FOTO: dpa, ya sw

Die USA zweifelten aber an, dass der IS tatsächlich hinter den Attacken in Sanaa und auch in Tunis steckte. Oft würde sich die Gruppe nur zu Propagandazwecken zu Anschlägen bekennen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. Die Terrormiliz ist bisher in dem bitterarmen und von politischen Machtkämpfen erschütterten Jemen nicht in Erscheinung getreten.

Ein Bekennerschreiben werde geprüft, sagte Earnest. Darin erklärt die angebliche IS-Zelle, dass die Huthis Ziel der Attacke waren. Und: "Diese Operation ist nur ein kurzer Blick auf die kommende Flut, so Gott will." Alle schiitischen Rebellen sollten vertrieben und ausgerottet werden, hieß es in dem Schreiben des sogenannten Medienbüros der Provinz Sanaa, das im Namen des IS auf einer extremistischen Webseite gepostet wurde.

Weite Anschlagsversuche im Norden

Die Huthis hatten im vergangenen September von ihren Hochburgen im Nordjemen aus die Hauptstadt Sanaa überrannt und unter ihre Kontrolle gebracht. Mit der Regierung führten die Schiiten daraufhin einen Machtkampf um mehr Einfluss, mit dem im Jemen äußerst aktiven Ableger der Al-Kaida lieferten sie sich heftige Gefechte südlich von Sanaa. Immer wieder reagierte die sunnitische Al-Kaida auch mit Anschlägen.

Für die Attentate vom Freitag sei der Ableger aber nicht verantwortlich, sagte ein Al-Kaida-Sprecher der Nachrichtenagentur AP. Die Gruppe führe keine Anschläge auf Moscheen durch. Der Rebellensender Al-Masirah berichtete, die Attentäter hätten während der Mittagsgebete in der Badr-Moschee im Süden Sanaas und Al-Haschusch-Moschee im Norden der Stadt zugeschlagen, als sich besonders viele Gläubige in den Moscheen drängten. Dem Sender zufolge gab es noch einen weiteren Anschlagsversuch auf die Huthi-Hochburg Saada im Nordjemen.

Dort sei der Selbstmordattentäter aber aufgehalten worden, bevor er seinen Sprengsatz zünden konnte. Auch in dem Bekennerschreiben war von insgesamt fünf Angreifern die Rede. Die Machtübernahme der Huthis - sie kontrollieren mittlerweile neun der 21 Provinzen des Jemen - schürte in dem bitterarmen arabischen Land die Sorge vor einem Bürgerkrieg entlang religiöser Linien. Schiiten, und dabei vor allem der Zweig der Zaiditen, machen ein Drittel der Bevölkerung des Jemen aus.

 

(AP)
 
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