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Saudi-Arabien startet Militäroffensive
Jemens Präsident Hadi flieht nach Riad

Jemen: Präsident Hadi flieht nach Riad
Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Jemens Präsident Hadi. FOTO: dapd, Hani Mohammed
Während eine Militärallianz unter Führung Saudi-Arabiens im Jemen in den Konflikt mit den schiitischen Huthi-Rebellen eingegriffen hat, hat sich der Präsident des Bürgerkriegslandes, Abd Rabbo Mansur Hadi, nach Riad abgesetzt.

Saudiarabische Kampfflugzeuge bombardierten in der Nacht zum Donnerstag Huthi-Stellungen in der Hauptstadt Sanaa, wie das jemenitische Militär und Augenzeugen berichteten. Derweil traf Jemens Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi traf in Riad ein, wie Staatsmedien meldeten.

Verkündet wurde der Militäreinsatz vom saudiarabischen Botschafter in den USA, Adel al-Dschubeir. Dieser sagte am Mittwoch (Ortszeit) in Washington, der Militäreinsatz diene dazu, die "legitime Regierung" des Jemen zu unterstützen. Es müsse verhindert werden, dass die Huthi-Miliz das Land einnehme. Derzeit beschränke sich die Intervention auf Luftangriffe, weitere militärische Kräfte würden aber mobilisiert.

Al-Dschubeir sprach von einer "Koalition von mehr als zehn Ländern", die sich an dem Einsatz beteiligten oder dies planten. Nach Informationen des Senders Al-Arabija hat Saudi-Arabien 150.000 Soldaten und hundert Kampfflugzeuge mobilisiert. Die Vereinigten Arabischen Emirate stellen demnach 30 Kampfflugzeuge, Bahrain und Kuwait jeweils 15 Kampfjets, zehn weitere kommen aus Katar.

Auch Ägypten, Jordanien und der Sudan bestätigten ihre Beteiligung. Ägypten erklärte, auch zum Einsatz von Bodentruppen bereit zu sein. Die USA gaben an, der Militärallianz logistische und geheimdienstliche Hilfe zu leisten. Die Arabische Liga erklärte, sie stehe "geschlossen" hinter den Luftangriffen. Eine Beteiligung europäischer Staaten wurde bislang nicht bekannt. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini warnte, die Luftangriffe hätten die ohnehin fragile Lage im Jemen weiter verschlechtert.

Mit den Angriffen begann die saudiarabische Luftwaffe direkt in der Nacht: Angegriffen wurden nach Angaben des jemenitischen Militärs sowie Augenzeugen unter anderem eine Luftwaffenbasis und der angrenzende internationale Flughafen im Norden von Sanaa sowie der dortige Präsidentenpalast. Den Komplex hatten die Rebellen im Januar erobert, Hadi floh deshalb in den Süden nach Aden. Am Donnerstag traf er in der saudiarabischen Hauptstadt Riad ein, wie die amtliche Nachrichtenagentur Spa meldete.

Ein saudiarabischer Regierungsberater erklärte, die Luftwaffe habe die Luftverteidigung der Huthi-Rebellen außer Gefecht gesetzt und zahlreiche Kampfflugzeuge im Besitz der Miliz zerstört. Nun werde eine "breite Flugverbotszone" eingerichtet. Am Mittwoch hatte ein Kampfflugzeug mehrere Raketen auf den Präsidentensitz in Aden abgefeuert. Nach Angaben der saudiarabischen Luftfahrtbehörde wurde der zivile Luftverkehr im Süden Saudi-Arabiens ausgesetzt.

Explosionen in Sanaa

Ein AFP-Reporter berichtete von lauten Explosionen in Sanaa. Einem Zivilschutzvertreter zufolge wurden dort bis Donnerstag mindestens 14 Zivilisten getötet. Im Süden des Landes hörten Anwohner Explosionen beim Luftstützpunkt al-Anad, der am Mittwoch von den Rebellen eingenommen wurde. Bei Kämpfen zwischen Anhängern Hadis mit den Rebellen bei al-Huta, der Hauptstadt der südlichen Provinz Lahdsch, wurden nach Behördenangaben mindestens 18 Kämpfer getötet. Regierungstruppen eroberten derweil den Flughafen von Aden zurück.

Die Rebellen werden mutmaßlich vom Iran sowie von Anhängern des früheren Präsidenten Ali Abdallah Saleh unterstützt. Hadis Regierung erhält Unterstützung von Riad. Die Krise im Jemen drohte damit zuletzt mehr und mehr zu einem Stellvertreterkonflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien zu werden. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes warnte, die Jemeniten bekämen nun die Auswirkungen der Gewalteskalation zu spüren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) stoppte angesichts der "Unsicherheiten" vorerst alle Hilfszahlungen an das Land.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte, das Eingreifen Riads werde "weitere Spannungen in der Region schaffen und keinem Land von Nutzen sein". Außenamtssprecherin Marsieh Afcham sprach von einem "gefährlichen Schritt". Der Vorsitzende der nationalen Sicherheitskommission in Teheran, Alaeddin Borudscherdi, warf Riad vor, mit Hilfe der USA "die Flammen eines neuen Krieges in der Region anzufachen". Die schiitische libanesische Hisbollah-Miliz rief Saudi-Arabien auf, die "Aggression sofort einzustellen".

(AFP)
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