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Bürgerkrieg im Jemen
Huthi-Rebellen rücken auf Aden vor

Jemen: Sicherheitsrat der Vereinten Nationen fordert Ende der Feindseligkeiten
Diese Kämpfer unterstützen Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi. FOTO: ap
Sanaa . Während die Huthi-Rebellen auf Aden zumarschieren hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angesichts des drohenden Bürgerkriegs im Jemen ein Ende der Feindseligkeiten gefordert.

Das Gremium verurteilte in einer am Sonntag verabschiedeten Erklärung zudem die schiitische Miliz, die einen großen Teil des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hat. Der Rat forderte die Rebellen auf, sich zurückzuziehen und bekräftigte seine Unterstützung für Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi. Er drohte zudem mit "weiteren Maßnahmen" gegen jegliche Beteiligte. 

Der Sondergesandte der Vereinten Nationen für den Jemen, Jamal Benomar, rief alle Beteiligten zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf und warnte, der Konflikt könnte ein Szenario annehmen, wie es die Welt aus Syrien, dem Irak oder Libyen kenne. Die schiitischen Huthi-Rebellen brachten am Sonntag die drittgrößte Stadt des Landes, Tias, unter ihre Kontrolle.

Die Huthis beherrschen bereits die Hauptstadt Sanaa und neun der 21 Provinzen des Landes. Rebellenführer Abdel-Malik al-Huthi kündigte einen weiteren Vormarsch nach Aden an, das der geflohene Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi am Samstag zur Übergangshauptstadt erklärt hatte.

Benomar warnte vor einer weiteren Eskalation. Die jüngsten Ereignisse würden den Jemen "an den Rand eines Bürgerkriegs" rücken, sagte er am Sonntag per Video an die Teilnehmer einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates in New York gerichtet. "Ein friedlicher Dialog ist die einzige Option, die wir haben."

Diese Ansicht wurde vom Sicherheitsrat geteilt. In einer präsidialen Erklärung beteuerte das oberste UN-Gremium die Bereitschaft, "weitere Maßnahmen" gegen jede Partei zu ergreifen, die den Weg zurück zu Frieden in dem Land blockiere. Dies könnte neue Sanktionen, aber auch andere Schritte bedeuten.

Litauens UN-Botschafterin Raimonda Murmokaite sagte nach der nicht-öffentlichen Sitzung, dass die Ratsmitglieder die Beteiligten zu Verhandlungen bringen wollen. Neue Sanktionen halte sie jedoch für unwahrscheinlich - "nicht zu diesem Zeitpunkt".

Frieden in weiter Ferne

An einem Frieden im Land schient jedoch keine der beiden Seiten. In einer einstündigen Rede auf dem Rebellensender Al-Masirah beschimpfte Al-Huthi Staatschef Hadi am Sonntagabend als "Marionette" regionaler und internationaler Mächte wie den USA und Saudi-Arabien.

Doch auf dem Vormarsch der Rebellen gen Süden regte sich Widerstand. In Tais, rund 140 Kilometer vor der Hafenstadt Aden, gingen Tausende aus Protest auf die Straße, wie jemenitische Beamte berichteten. Die Rebellen hätten auf die Demonstranten gefeuert, einen Menschen getötet und vier weitere verletzt. Sicherheitsbeamte der Hadi-Regierung berichteten, dass Panzer und Kämpfer bereits weiter in Richtung der Provinz Lahdsch gezogen seien, in Richtung Aden.

Die Huthis werden unterstützt vom langjährigen Ex-Präsidenten Ali Abdullah Salih, der nach dem Arabischen Frühling 2011 gestürzt und von Hadi abgelöst worden war.

Bereits am Donnerstag hatten mit den Huthis verbündete Kräfte versucht, Hadis Palast in Aden zu bombardieren. Zudem stürmten sie den internationalen Flughafen der Hafenstadt, wurden aber von Hadi-treuen Armeekräften zurückgeschlagen.

Nicht nur der Konflikt zwischen Huthis und Hadi-Lager erschüttert das Land. Am Freitag hatte eine angeblich mit der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat verbundene Extremistengruppe in Sanaa Selbstmordanschläge auf zwei Moscheen verübt, dabei starben mindestens 137 Menschen.

Gleichzeitig eroberten Extremisten der ebenfalls sunnitischen Al-Kaida im Südjemen die Stadt Al-Huta und vertrieben jemenitische und amerikanische Soldaten vom nahe gelegenen Luftwaffenstützpunkt Al-Annad. Die USA zogen daraufhin nach Angaben des Außenministeriums ihr gesamtes Personal ab, ohne eine genaue Anzahl der in Sicherheit Gebrachten anzugeben. Auf dem Stützpunkt waren geschätzte 100 US-Soldaten stationiert.

(ap)
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