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Konflikt im Jemen
Ruhani warnt Saudi-Arabien vor "Saat des Hasses"

50 Tote bei Anschlag auf Ministerium im Jemen
50 Tote bei Anschlag auf Ministerium im Jemen FOTO: dpa, Stringer
Teheran. Nach Chamenei verschärft auch der iranische Präsident den Ton gegen das Saudi-Arabien, das mit Verbündeten Luftangriffe gegen die militanten Huthi-Rebellen fliegt. Irans Außenminister Sarif fordert das sofortige Ende der Kämpfe.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die von einer saudi-arabischen Koalition im Jemen geflogenen Luftangriffe harsch kritisiert. In einer vom Fernsehen übertragenen Rede bei einer Militärparade am Samstag in Teheran sagte er, das Königreich werde deswegen eine "Saat des Hasses" ernten. Er schloss sich damit der harten Tonlage des geistlichen iranischen Führers Ali Chamenei an, der die am 26. März begonnenen Luftangriffe als "Völkermord" bezeichnet hat.

"Was bedeutet die Bombardierung unschuldiger Jemeniten?", fragte Ruhani die saudi-arabische Königsfamilie. "Welche Ziele verfolgt ihr? Wird es euch stark machen, Kinder zu töten? Ihr habt die Saat des Hasses in dieser Region gesät und ihr werdet die Antwort darauf früher oder später sehen."

Iran dementiert Unterstützung der Rebellen

Iran unterstützt nach eigenen Angaben die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen, hat es aber dementiert, ihnen eine jegliche Form militärischer Unterstützung zukommen zu lassen. Die Huthi-Reellen haben zusammen mit loyal zum früheren Machthaber Ali Abdullah Salih stehenden Truppen weite Teile Jemens erobert. Der international anerkannte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi floh angesichts ihres Vormarschs auf die südliche Hafenstadt Aden nach Saudi-Arabien.

Das Königreich lehnt einen iranischen Vierpunkteplan ab, der einen Waffenstillstand, humanitäre Hilfe, Dialog und Bildung einer breit aufgestellten Regierung im Jemen vorsieht.

"Luftangriffe sind sinnlos"

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bezeichnete in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Luftangriffe im Jemen als sinnlos. Sie zerstörten Schulen, Krankenhäuser und andere zivile Infrastruktur. Zudem seien "terroristische Gruppen" die Hauptnutznießer der Angriffe, sagte Sarif offenbar in Anspielung an die Eroberungen, die der jemenitische Ableger von Al-Kaida im Osten des Landes macht.

"Diese kritische Situation eskaliert und die humanitäre Krise im Jemen kommt katastrophalen Dimensionen näher", schrieb Sarif. "Sie dürfte in weiterer Verschlimmerung der bereits angespannten Umstände in einer Region resultieren, die von einer der barbarischsten Arten von Extremismus und vielfältiger bösartiger Kampagnen von aus dem Ausland unterstützten Terroristen geplagt ist."

Keine militärische Lösung denkbar

Es gebe keine militärische Lösung des Konflikts, sagte Sarif. Stattdessen müsse von den UN eine Waffenruhe durchgesetzt werden. Jegliche "ausländischen Militärattacken" müssten beendet werden, um humanitäre Hilfe zu gewährleisten und einen jemenitisch geführten nationalen Dialog zu ermöglichen. Sarif versicherte Ban, dass Teheran bereit sei, den Vereinten Nationen bei diesen Bemühungen zu helfen.

Die aus dem Norden des Jemen stammenden Huthis hatten 2014 die Hauptstadt Sanaa überrannt, mehrere Provinzen eingenommen und rückten in den zurückliegenden Wochen in die südjemenitische Hafenstadt Aden vor. Mit Anhängern des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Salih versuchen sie derzeit, die Stadt einzunehmen. Die Luftangriffe haben sie bisehr nicht gestoppt. Stattdessen sind nach UN-Angaben Hunderte Menschen getötet und mindestens 150 000 vertrieben worden.

(ap)
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