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Staatsbesuch
Gauck trifft Südkoreas Staatspräsidentin Park

Joachim Gauck trifft in Südkorea Staatspräsidentin Park Geun Hye
Bundespräsident Joachim Gauck trifft Südkoreas Staatspräsidentin Park Geun Hye. Er wurde mit militärischen Ehren empfangen. FOTO: dpa, ay ms
Seoul. Für viele Koreaner ist die deutsche Wiedervereinigung ein Vorbild. Der Bundespräsident wird in Seoul als lebender Beweis gefeiert, dass dieser Traum Wirklichkeit werden kann. Doch er hat auch mahnende Worte parat.

Joachim Gauck ist als Mutmacher ins letzte Land des Kalten Krieges gekommen - und Park Geun Hye macht sofort klar, was sie von ihm erwartet. "Südkorea hat eine besonders emotionale Verbundenheit gegenüber Deutschland", weil beide Länder eine Teilung durchlebt hätten. "Wir wollen auf den Traum der Wiedervereinigung zugehen", sagte die Staatspräsidentin schon beim ersten Treffen mit dem Bundespräsidenten. Vom Besuch des Deutschen erhoffe sie, dass das Thema in Korea, aber auch auf internationaler Bühne vorankomme.

Kurz vorher war Gauck mit pompösen und außergewöhnlich farbenprächtigen militärischen Ehren im "Blauen Haus" von Seoul empfangen worden, dem Präsidialpalast Parks. Immer wieder hatten zuvor gut 100 koreanische und deutsche Schulkinder mit einem Protokollbeamten das richtige Fähnchenschwenken und ein vielstimmiges "Guten Morgeeen" und "Herzlich Willkommeeen" geübt.

Als Gauck dann gemeinsam mit Park die Ehrenformation abschreitet, ist nicht ganz klar, ob er wegen des niedlichen Anblicks schmunzeln muss - oder wegen der für europäische Ohren doch recht ungewöhnlichen alten Palastmusik, die ihm dargeboten wird.

Gauck ist auf seiner ersten Ostasienreise nach Seoul gekommen, um 25 Jahre nach der deutschen Vereinigung und 70 Jahre nach der koreanischen Teilung ein besonderes Zeichen zu setzen. "Wenn Sie so wollen, komme ich als ein lebendes Symbol dafür, dass unerwartete Veränderungen möglich sind", sagte er bei seiner Pressekonferenz mit Park. Er gehöre "ins Museum, als Zeichen dafür, was geschehen kann, wenn Menschen sich ihrer eigenen Kräfte besinnen".

Zwei Tage ist es gerade her, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zum 70. Gründungstag der herrschenden Arbeiterpartei sein Land quasi für kriegsbereit gegen die Supermacht USA erklärt hat. Vielleicht gerade deshalb will das deutsche Staatsoberhaupt die Chance nutzen, in der südkoreanischen Nationalversammlung für neue Schritte hin zu einer Wiedervereinigung des geteilten Landes zu werben.

Die Einladung in die Gukhoe, das südkoreanische Parlament, hat dem nicht ganz uneitlen Bundespräsidenten geschmeichelt. Dem DDR-Pastor, weiß man im Präsidialamt, komme damit eine besondere Ehre zuteil. Sie ist auch ein Zeichen Seouls, für die Wiedervereinigung mit Nordkorea zu werben. Denn im Süden der geteilten Halbinsel gibt es wegen der Kosten nicht wenige Zweifler, ob man den Prozess überhaupt schultern kann. Wie der Weg zur Vereinigung zwischen Süd und Nord aussehen könnte, ist noch unklar.

Gaucks Auftritt in der Nationalversammlung ist so etwas wie eine Gratwanderung. Mit Wiedervereinigung kennt sich der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde aus, das wissen sie auch in Seoul. Die Sätze des deutschen Staatsoberhauptes sind eine Mischung aus Schmeicheleien für die Erfolge des Landes und die "Politik des Vertrauens" der Präsidentin Park. Zugleich folgen Passagen, die manche in Seoul wohl nicht besonders gerne hören dürften.

"Südkorea und seine Partner sollten für einen Politikwechsel in Nordkorea werben", fordert Gauck. Und man solle dem Land Alternativen aufzeigen. Ein Dialog nicht nur über die vermeintlich harten Themen der Sicherheitspolitik, sondern auch über Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Umwelt könne "dabei helfen, Kanäle der Kommunikation zu öffnen". Gauck zitiert auch den Ausspruch des früheren südkoreanischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Kim Dae Jung, der vor gut zwanzig Jahren gesagt hat: "Kultur ist nicht unbedingt unsere Bestimmung - die Demokratie ist es."

Kim ist mit seiner Sonnenscheinpolitik gegenüber Pjöngjang, die vor 15 Jahren zum ersten innerkoreanischen Gipfeltreffen führte, in seiner Heimat stets auf Skepsis gestoßen.

Gauck fügt hinzu, man kenne in Deutschland sehr wohl die Diskussionen in einigen asiatischen Staaten, dass Menschenrechte und liberale Demokratie lediglich eine Folge westlicher Prägung seien. Doch davon will er sich bei dieser Reise nicht beeindrucken lassen.

(dpa)
 
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