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Human Rights Watch prangert Mord aus Gründen der Familienehre an: Jordanien erlaubt Frauenmord

zuletzt aktualisiert: 21.04.2004 - 13:56

New York (rpo). Wenn die Familienehre auf dem Spiel steht, werden in Jordanien Morde an Frauen stillschweigend toleriert. Das berichtete die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in einer in New York veröffentlichten Erklärung. Und selbst wenn der Mann vor Gericht gestellt würde, käme er meist mit einer minimalen Strafe davon.

Im laufenden Jahr wurden laut HRW bereits vier Frauen zum Schutz der Familienehre von männlichen Verwandten ermordet. 2003 seien es 17, im Jahr zuvor 22 Frauen gewesen. Man müsse jedoch von einer wesentlich höheren Dunkelziffer ausgehen. Frauen in Jordanien liefen bereits Gefahr, ermordet zu werden, wenn sie mit einem nicht verwandten Mann nur sprächen. Auch Eheschließungen ohne Einverständnis der Familie, Ehebruch sowie vorehelicher Sexualverkehr könnten den Tod nach sich ziehen, so HRW in dem 37-seitigen Bericht "Ehre für die Mörder: Keine Gerechtigkeit für 'Ehrenkriminalität' in Jordanien".

Jahrelange Haft

Oftmals werden Frauen nach Angaben der Menschenrechtsorganisation "zu ihrem eigenen Schutz" inhaftiert. Bedrohte Frauen würden in Schutzhaft genommen und nur in die Obhut eines männlichen Verwandten entlassen, der garantieren müsse, für ihre Sicherheit zu sorgen. Derzeit säßen rund 40 Frauen aus diesem Grund im Gefängnis. Einige von ihnen ziehen allerdings HRW zufolge die Haft der Gefahr vor, in Freiheit ermordet zu werden.

Nach jordanischem Recht können für "im Affekt" begangene Straftaten oder wegen "einer vom Opfer zuvor verübten ungesetzlichen oder gefährlichen Handlung" reduzierte Strafen verhängt werden. "Polizei und Gerichte haben Sympathie mit Mördern, die sich auf die Familienehre berufen und behaupten, im Affekt gehandelt zu haben", betont HRW. An die Regierung appellieren die Menschenrechtler eindringlich, Abhilfe zu schaffen und die Rechte von Frauen zu schützen.


 
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