Im Iran inhaftierte Deutsche: Journalisten trafen erstmals Angehörige
zuletzt aktualisiert: 28.12.2010 - 21:54Berlin/Teheran (RPO). Die beiden im Iran inhaftierten deutschen Journalisten haben sich rund zwölf Stunden mit ihren Verwandten treffen dürfen. Nach der Zusammenkunft in einem Hotel in der nordiranischen Stadt Täbris reisten die Mutter des Fotografen und die Schwester des Reporters wieder nach Teheran, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Dienstag in Berlin sagte. Das Treffen hatte am Montagabend (Ortszeit) begonnen.
Nach Angaben der "Bild"-Zeitung, für deren Sonntagsausgabe die beiden Journalisten in den Iran gereist waren, fand das Treffen am Montag während der frühen Morgenstunden (23.00 Uhr MEZ) in einem großen Luxushotel in der Nähe des Schah-Goli-Parks am Rande der nordwestiranischen Provinzhauptstadt Tabris statt.
Demnach hatten die Behörden für die beiden Männer eigene Zimmer gebucht und ihnen einen halben Tag Zeit für das Treffen gegeben. Offenbar gab es für sie auch Gelegenheit, mit ihren Angehörigen alleine zu sprechen.
Frauen trugen Kopftücher
Auf Bildern des iranischen Fernsehsenders El Alam sind die beiden Reporter mit ihren Angehörigen und deutschen Diplomaten an einem großen gedeckten Tisch zu sehen. Die Schwester des Reporters und die Mutter des Fotografen tragen die im Iran vorgeschriebenen Kopftücher. Ebenfalls im Bild sind der deutsche Botschafter im Iran, Bernd Erbel, ein weiterer deutscher Diplomat sowie mehrere Iraner. Nach Informationen gut informierter Kreise durften die Familien die Nacht bei den Journalisten bleiben.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte die iranischen Behörden zuvor mehrfach aufgefordert, ein solches Treffen zu ermöglichen. Nachdem ein bereits geplantes Treffen scheiterte, telefonierte der FDP-Politiker am Montag mit seinem iranischen Amtskollegen Ali Akbar Salehi. Das Auswärtige Amt bestellte zudem den iranischen Botschafter ein. Salehi sagte schließlich einem raschen Treffen der Inhaftierten mit den Angehörigen, die bereits Heiligabend nach Teheran gereist waren, zu.
Freilassung der Journalisten ungewiss
Die beiden mit einem Touristenvisum eingereisten Journalisten der Zeitung "Bild am Sonntag" sind seit dem 10. Oktober im Iran inhaftiert. Sie hatten den Sohn der wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilten Iranerin Sakine Aschtiani ohne die im Iran erforderliche Pressegenehmigung interviewt
Noch offen ist, ob und wann die beiden Journalisten freigelassen werden. Anfang Dezember hatte der Iran signalisiert, dass die beiden in einer Geste des guten Willens eventuell an Neujahr aus dem Gefängnis entlassen werden. Am Dienstag sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, in dem Fall werde immer noch ermittelt.
Der Fall Aschtiani hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Die Iranerin wurde 2006 wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt, die Vollstreckung des Urteils wurde nach internationaler Kritik ausgesetzt. Teheran wirft dem Westen vor, die Kontroverse um das Urteil gegen Aschtiani ins Leben gerufen zu haben, um der Regierung des Irans zu schaden.
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