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Folgen des Großangriffs
Sturm auf Mossul könnte IS-Kämpfer nach Europa treiben

Julian King: Sturm auf Mossul könnte IS-Kämpfer in die EU treiben
Die irakischen Kräfte rücken nach und nach auf Mossul vor FOTO: afp, AHR
Berlin. EU-Sicherheitskommissar King hat vor den Folgen des Sturms auf die irakische Stadt Mossul gewarnt: Laut dem Experten erhöht sich dadurch Terrorgefahr in Europa.

"Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg Mossul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen", sagte Julian King der Zeitung "Welt". "Das ist eine sehr ernste Bedrohung, auf die wir vorbereitet sein müssen." King sprach davon, dass noch 2500 IS-Kämpfer aus EU-Staaten in Irak und Syrien kämpften.

Allerdings sollte man die Bedrohung auch nicht übertreiben: Man habe in vergleichbaren Fällen wie Afghanistan gesehen, dass nur ein Teil der Kämpfer wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Die irakischen Streitkräfte hatten am Montag mit dem lange erwarteten Sturm auf Mossul begonnen und versuchen mit Hilfe von kurdischen und sunnitischen Milizionären, den IS aus der Stadt zu vertreiben. Dabei bekommen sie auch Hilfe der USA und anderer Staaten.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht hingegen keine erhöhte Sicherheitsgefahr in Deutschland. Vom IS gehe bereits jetzt eine große Bedrohung aus, weil sie Europa zum Kampfgebiet erklärt habe, sagte der Minister in Berlin. "Ich sehe durch den Kampf gegen den IS keine zusätzliche Gefährdung".

Keine schnelle Entscheidung zu erwarten

Am zweiten Tag ihrer Großoffensive sind die irakischen Streitkräfte weiter auf Mossul vorgerückt. Die Armee und ihre Verbündeten brachten mehrere Orte im Umland der Großstadt unter ihre Kontrolle, wie das Militär mitteilte. Die Offensive laufe nach Plan. Ähnlich äußerte sich das US-Verteidigungsministerium. Nach Angaben des Pentagon bombardierten die Kampfjets der US-geführten Militärallianz am ersten Tag des Militäreinsatzes 52 IS-Stellungen. Die Rückeroberung von Mossul sei aber eine "schwierige" und langwierigen Mission.

Nach Einschätzung des französischen Verteidigungsministers Jean-Yves Le Drian könnte die Offensive "mehrere Wochen, wenn nicht Monate" dauern. Die Außenminister von rund 20 Ländern treffen sich am Donnerstag in Paris, um über die politische Zukunft Mossuls nach dem Ende der IS-Herrschaft zu beraten.

IS-Kämpfer hatten Mossul im Sommer 2014 in einer Blitzoffensive erobert. Die Hauptstadt der ölreichen Provinz Ninive ist die letzte IS-Hochburg im Irak. Eine Vertreibung aus Mossul wäre ein gravierender Rückschlag für die Dschihadisten, die im Irak bereits erheblich an Boden verloren haben.

Hilfsorganisationen schlagen Alarm

Derweil wächst die Sorge um die Zivilisten in der Millionenstadt Mossul, die sich auf wochenlange Kämpfe einstellen müssen. Mehr als 500.000 Kinder in der Stadt seien in extremer Gefahr, erklärte das UN-Kinderhilfswerk Unicef. Sie drohten vertrieben zu werden und "zwischen die Frontlinien oder ins Kreuzfeuer" zu geraten, warnte der Leiter von Unicef Irak, Peter Hawkins.

Das Deutsche Rote Kreuz appellierte an alle Konfliktparteien, das humanitäre Völkerrecht zu achten, Zivilisten zu schützen und Helfern den Zugang zur Bevölkerung zu ermöglichen. "Wir rechnen damit, dass über 1,5 Millionen Menschen vor den Kämpfen flüchten werden", erklärte die Leiterin des DRK-Regionalbüros Naher Osten und Nordafrika, Astrid Nissen. Das mögliche "Ausmaß der humanitären Not" sei besorgniserregend.

(crwo/afp/dpa)
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