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Afghanistan: Jung bestätigt Tod zweier Soldaten

zuletzt aktualisiert: 20.10.2008 - 21:11

Berlin (RPO). Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hat den Tod von zwei Bundeswehrsoldaten bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan bestätigt. Jung äußerte sich zu dem Attentat, nachdem afghanische Behörden bereits zuvor von zwei getöteten deutschen Soldaten sowie fünf toten afghanische Kinder gesprochen hatten.

Verteidigungsminister Jung hat bestätigt, dass zwei Bundeswehrsoldaten bei einem Anschlag ums Leben gekommen sind.  Foto: ddp, ddp
Verteidigungsminister Jung hat bestätigt, dass zwei Bundeswehrsoldaten bei einem Anschlag ums Leben gekommen sind. Foto: ddp, ddp

Nach afghanischen Angaben sprengte sich der Attentäter in der Nähe der Stadt Kundus im Norden des Landes auf einem Fahrrad in die Luft. Das Berliner Verteidigungsministerium hatte zunächst nur bestätigt, dass der Anschlag einer Bundeswehr-Patrouille gegolten habe.

Wegen des Anschlags auf deutsche Soldaten in Afghanistan hat Verteidigungsminister Franz Josef Jung seinen Urlaub unterbrochen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP befand sich der Minister am Montagnachmittag auf der Rückreise nach Berlin. Bei dem Selbstmordanschlag in der Nähe von Kundus im Norden des Landes kamen nach Angaben der afghanischen Behörden zwei Bundeswehrsoldaten und fünf afghanische Kinder ums Leben.

Die Fraktionen von FDP und Linkspartei bekundeten Trauer und Mitgefühl. Die FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger nannte den Anschlag hinterhältig und menschenverachtend. Er mache erneut deutlich, was für ein hohes Risiko die Soldaten der Bundeswehr bei ihrem Einsatz in Afghanistan trügen, erklärte sie. Homburger sprach auch von einem verletzten Soldaten.

Der Sprecher für internationale Beziehungen der Linksfraktion, Wolfgang Gehrcke, erklärte, die Nachricht über den Tod der Soldaten und Kinder mache ihn "traurig und zornig zugleich". Jedes Opfer in Afghanistan, ob in Uniform oder Zivil, sei eines zu viel. Gehrcke bekräftigte die Ablehnung seiner Partei gegen den Einsatz überhaupt.

Zwei Verdächtige fest genommen

Der Anschlag habe sich gegen eine Patrouille gerichtet, die auf einer Hauptverkehrsstraße im Bezirk Schahar-Dara unterwegs gewesen sei, sagte Provinzgouverneur Omar. Nach dem Anschlag seien zwei Verdächtige festgenommen worden. Der Gouverneur machte "Terroristen" für die Tat verantwortlich.

"Es gab einen Selbstmordattentäter. Er hat mehrere Soldaten der Nato-Truppe Isaf getötet und andere verwundet, auch Zivilisten wurden verletzt," teilte die Nato mit. Zur Nationalität der getöteten Soldaten wurden in der NATO-Erklärung keine Angaben gemacht. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, die Patrouille sei außerhalb des Lagers unterwegs gewesen. Angaben zu den Opfern machte er zunächst nicht.

Die Taliban bekennen sich zu dem Attentat

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich durch ihren Sprecher Sabihullah Mudschahid zu der Tat. Zuletzt war Ende August ein deutscher Soldat bei einem Anschlag südlich von Kundus getötet worden. Im August 2007 waren drei deutsche Polizeibeamte bei einem Anschlag ums Leben gekommen.

Ebenfalls am Montag wurde eine britische Mitarbeiterin einer christlichen Hilfsorganisation in der afghanischen Hauptstadt Kabul getötet. Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Semarai Baschari, erklärte, zwei auf einem Motorrad sitzende Bewaffnete hätten eine Mitarbeiterin von Serve Afghanistan mit mehreren Schüssen getötet. Nach den flüchtigen Tätern werde gefahndet.

Ein Mitarbeiter von Serve Afghanistan bestätigte den Anschlag, wollte aber keine näheren Angaben machen. Laut britischer Botschaft in Kabul handelte es sich bei dem Opfer um eine britische Staatsbürgerin. Da die Frau nach Angaben der Bezirkspolizei aus Südafrika stammte, wurde über eine doppelte Staatsbürgerschaft spekuliert.

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. "Wir haben sie getötet, weil sie für eine Organisation arbeitete, die das Christentum in Afghanistan predigte", sagte der Sprecher. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben gab es vorerst nicht. Die Taliban bekennen sich hin und wieder zu Taten, die sie gar nicht begangen haben. In Kabul sind Angriffe auf Ausländer eher selten, die Gewalt gegen Hilfsorganisationen in Afghanistan nahm in den vergangenen Monaten allerdings zu.

Unicef-Studie: Afghanische Polizisten misshandeln Kinder

Das UN-Kinderhilfswerk Unidef veröffentlichte unterdessen in Köln eine Studie, wonach afghanische Polizisten Kinder und Jugendliche oft misshandeln. 36 Prozent der der befragten 247 Minderjährigen habe über Schläge und Misshandlungen durch die Polizei geklagt, 62 Prozent sagten, sie wurden im Gefängnis nachts angekettet. Das Jugendstrafrecht in Afghanistan müsse reformiert und die Ausbildung der Polizei verbessert werden, forderte Unicef.

Das Auswärtige Amt erklärte nach Angaben des ARD-Politmagazins "Report Mainz", bei der afghanischen Polizei gebe es "sicherlich Misshandlungen". Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) räumte Probleme bei der Polizeiausbildung am Hindukusch an. "Es ist uns natürlich nicht gelungen, eine Polizei in der Größenordnung von 80.000 Leuten auszubilden, die rechtsstaatlich wirklich einwandfrei handeln," sagte GdP-Chef Konrad Freiberg dem Magazin. Seit 2002 haben deutsche Experten rund 24.000 afghanische Polizisten aus- und fortgebildet.

Quelle: afp

 
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