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Falscher Terrorverdacht
Kanada zahlt Folteropfer 10,5 Millionen Entschädigung

Ottawa (RPO). Die kanadische Regierung zahlt einem ihrer Staatsbürger eine Entschädigung von 10,5 Millionen Dollar. Der Informatiker war in den USA beim Zwischenstopp einer Reise festgenommen worden. Kanadische Behörden übermittelten irrtümlich, er sei sei womöglich ein islamistischer Extremist. In der Folge wurde er nach Syrien ausgeliefert und dort ein Jahr lang festgehalten und gefoltert.

Auf einer Pressekonferenz am Freitag in Ottawa entschuldigte sich der kanadische Premierminister Stephen Harper offiziell bei dem syrischstämmigen Informatiker Maher Arar "für die Rolle, welche die kanadischen Verantwortlichen bei der schrecklichen Tortur gespielt haben, die Sie 2002 und 2003 durchlitten haben".

Harper kündigte die Zahlung von 10,5 Millionen kanadischen Dollar, umgerechnet 6,9 Millionen Euro, als Schadenersatz an.

Maher Arar war 2002 bei einem Zwischenstopp in New York unter Terrorismusverdacht festgenommen und von den USA nach Syrien ausgeliefert worden. Dort wurde er fast ein Jahr lang gefangen gehalten und nach eigenen Angaben von syrischen Geheimdienstagenten gefoltert.

2006 stellte ein kanadischer Untersuchungsausschuss fest, dass Arar keinerlei Verbindungen zum Terrorismus habe. Die kanadische Gendarmerie habe den US-Behörden die falsche Angabe übermittelt, Arar sei ein "islamischer Extremist". Die Affäre führte zum Rücktritt des Gendarmerie-Chefs Giuliano Zaccardelli und löste Spannungen zwischen Washington und Ottawa aus, weil die USA Arar nicht von der Liste der Terrorverdächtigen streichen wollten.

In seiner Stellungnahme am Freitag verwies Harper auf die "Meinungsverschiedenheit" mit den USA. Er kritisierte auch Syrien, das die von Arar erhobenen Foltervorwürfe abstreitet.

Maher Arar leidet seit seiner Freilassung unter Depressionen und einem posttraumatischen Stresssysndrom. Er hatte die kanadische Regierung zunächst auf 400 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt und die Forderung später auf 37 Millionen reduziert.

Mit der Reaktion seiner Regierung am Freitag zeigte er sich aber zufrieden. Mit der Entschuldigung und der Entschädigung erkenne sie zum ersten Mal offiziell seine Unschuld an, sagte er.

Ottawa orientierte sich mit dem Betrag von 10,5 Millionen Dollar nach eigenen Angaben an der Summe, die Arar vermutlich durch einen Prozess erhalten hätte. Nach Angaben seines Anwalts erhält er zudem die Prozesskosten von rund einer Million Dollar erstattet. Der 36-Jährige hat noch eine Schadenersatzklage in den USA anhängig.

(afp)
 
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