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Hamid Karsai AP Panorama
  Foto: AP, AP
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Ehemaliger Hoffnungsträger des Westens: Karsai hält sich mangels Alternative

zuletzt aktualisiert: 02.11.2009 - 21:38

Kabul (RPO). Afghanistans alter Präsident Hamid Karsai ist auch der neue. Ohne Stichwahl. Das entschied die afghanische Unabhängige Wahlkommission (IEC) am Montag. Jahrelang setzten die USA und ihre Verbündeten große Hoffnungen in den extravagant gekleideten Mann mit der Fellmütze und dem sorgfältig gestutzten Bart.

Doch die Zustimmung für Karsai ist angesichts der zunehmenden Gewalt, der grassierenden Korruption und der massiven Manipulationen bei der Präsidentschaftswahl im August merklich zurückgegangen.

Nachdem der Stimmenanteil für Karsai wegen der Wahlfälschungen auf unter 50 Prozent herunterkorrigiert worden war, hätte er sich am kommenden Samstag eigentlich in einer Stichwahl dem zweitplatzierten früheren Außenminister Abdullah Abdullah stellen müssen. Doch dieser zog sich mit der Begründung aus dem Rennen zurück, es seien erneut Stimmfälschungen zu befürchten.

Karsai muss Vertrauen wiedergewinnen

Karsai fällt nun die Aufgabe zu, das Vertrauen wiederzugewinnen, das er vor acht Jahren als Hoffnungsträger des Westens genoss. "Wir erwarten, dass der afghanische Präsident sich bemüht, die verschiedenen Lager zusammenzuführen", kommentierte Bundesaußenminister Guido Westerwelle die Absage der Stichwahl. Karsai müsse versuchen, "Präsident aller Afghanen" zu sein, fügte der FDP-Politiker hinzu. Tatsächlich haben sich die Erwartungen des Westens, Karsai werde es als Angehörigem der paschtunischen Bevölkerungsmehrheit gelingen, die verschiedenen Volksgruppen am Hindukusch zu einen, nicht erfüllt.

Nur "Bürgermeister von Kabul"?

Schon seit Jahren wirft das Ausland dem Staatschef vor, beim Wiederaufbau und im Kampf gegen Korruption und Drogenhandel nicht voranzukommen. Im eigenen Land wird Karsai nicht nur von den Taliban als "Bürgermeister von Kabul" verspottet, denn sehr viel weiter reicht seine Macht nicht. Doch auch die zunehmend kritische US-Regierung scheint sich mangels überzeugender Alternativen widerstrebend mit dem derzeitigen Amtsträger abgefunden zu haben.

Karsai war nach dem US-geführten Einmarsch während der Afghanistan-Konferenz auf dem Bonner Petersberg im Dezember 2001 zum Chef einer von den Besatzern bestimmten Übergangsregierung gemacht worden. Sechs Monate später bestätigte ihn eine Loja Dschirga, eine traditionelle Großen Ratsversammlung aus mehr als 1500 Gesandten aus ganz Afghanistan als Übergangspräsident an der Staatsspitze. Im Juli 2004 wurde er mit mehr als 55 Prozent der Stimmen für eine fünfjährige Amtszeit gewählt.

Der am 24. Dezember 1957 in dem Dorf Kars bei Kandahar als Sohn eines reichen Vaters geborene Paschtune studierte in Indien Politikwissenschaft. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan 1979 schloss er sich dem Kampf der Mudschahedin gegen die Rote Armee an. Nach dem Fall der pro-sowjetischen Regierung wurde er 1992 stellvertretender Außenminister.

Als 1996 die Taliban Kabul eroberten, wurde Karsai der Posten des afghanischen UN-Botschafters angetragen. Er schlug das Angebot mit dem Hinweis aus, die Taliban seien "ausländische Terroristen" und Marionetten des pakistanischen Geheimdienstes. Endgültig verschrieb sich Karsai dem Kampf gegen die Miliz, als 1999 vermutlich Taliban seinen Vater ermordeten. Karsai selbst überlebte mehrere Attentate, das letzte während einer Militärparade in Kabul im April 2008.

Quelle: AFP/felt

 
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