Selbstmordattentat und Feuergefecht: Karsai verlässt Friedens-Dschirga nach Attentat
zuletzt aktualisiert: 02.06.2010 - 12:44Kabul (RPO). Ein Selbstmordattentäter der Taliban hat sich kurz nach Beginn der Friedensversammlung in der afghanischen Hauptstadt Kabul nur wenige hundert Meter von dem Konferenzort entfernt in die Luft gesprengt. Es kam zu einem Feuergefecht. Afghanistans Präsident Hamid Karsai, der gerade seine Rede beendet hatte, verließ die Versammlung.
Karsai hatte seine Begrüßungsrede an die rund 1.600 Teilnehmer des Stammesrates (Dschirga) gerade beendet, als die Schüsse fielen. Taliban-Mitglieder lieferten sich nach dem Selbstmordanschlag ein Feuergefecht mit der Polizei. Außerdem schossen sie eine Rakete ab. Die Konferenz ging trotzdem weiter, allerdings ohne den Präsidenten.
Nach Behördenangaben wurde kein Delegierter der sogenannten Friedens-Dschirga verletzt. Zwei Angreifer wurden getötet, ein weiterer festgenommen. Ein Taliban-Sprecher bekannte sich in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AP zu der Tat. Eine Gruppe von vier Selbstmordattentätern, die in afghanischen Soldatenuniformen steckten, habe das Feuer auf die Versammlung eröffnet. Ziel sei es, "diese Friedens-Dschirga zu sabotieren und zu zerstören". Und fügte hinzu: "Unsere Kämpfer werden weiter bis zum Tod kämpfen."
Bei der dreitägigen Konferenz geht es um Möglichkeiten zur nationalen Aussöhnung mit den Taliban. Im Mittelpunkt steht das von Geberländern mit rund 130 Millionen Euro finanzierte Friedens- und Versöhnungsprogramm. Es verheißt den Kämpfern der Aufständischen Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Entwicklungshilfe für ihr Heimatdorf, wenn sie die Waffen niederlegen.
Die Delegierten der Dschirga haben sich in einem riesigen Zelt auf dem Gelände der Polytechnischen Universität Kabul versammelt. Präsident Hamid Karsai will dort sein Programm zur Wiedereingliederung von Taliban und anderen Aufständischen vorstellen, die mit wirtschaftlichen Anreizen zur Aufgabe bewogen werden sollen.
Die Taliban kritisieren, das Treffen diene lediglich dazu, unrealistische Pläne abzusegnen. Die Teilnehmer der Konferenz stünden im Sold der Invasoren und dienten ihren eigenen Interessen, hieß es in einer am Dienstag von den Taliban verbreiteten Erklärung. In der vergangenen Woche hatten sie in einer Botschaft allen Teilnehmern mit dem Tod gedroht.
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