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Afghanistan: Karsai weitet Jagd nach Taliban auf Pakistan aus

zuletzt aktualisiert: 15.06.2008 - 15:34

Kandahar (RPO). Der afghanische Präsident Hamid Karsai steht nach dem spektakulären Taliban-Angriff auf ein Gefängnis in Afghanistan massiv unter Druck. Bisher ist die Verfolgung der rund tausend befreiten Häftlinge ein gigantischer Flop. Nun droht Karsai damit, die Jagd auf das Nachbarland Pakistan ausdehnen zu wollen.

Präsident Hamid Karsai will auch Taliban-Hochburgen im benachbarten Pakistan angreifen lassen.  Foto: AFP, AFP
Präsident Hamid Karsai will auch Taliban-Hochburgen im benachbarten Pakistan angreifen lassen. Foto: AFP, AFP

Der Präsident richtete am Sonntag eine scharfe Warnung an Aufständische in Pakistan. "Afghanistan hat das Recht, Terroristen-Nester auf der anderen Seite der Grenze in einem Akt der Selbstverteidigung zu zerstören", sagte Karsai in Kabul. "Wenn sie über die Grenze aus Pakistan kommen und Afghanen und Koalitionstruppen töten, dann haben wir das Recht, das gleiche zu tun."

Pakistan hatte den USA und Afghanistan vorgeworfen, bei einem Raketenangriff am Mittwoch im Gebiet von Mohmand elf pakistanische Soldaten getötet zu haben. Das Kommando der Koalitionstruppen teilte hingegen mit, der Angriff habe Aufständischen gegolten. In den Gebieten haben die Kämpfer der 2001 in Afghanistan gestürzten Taliban ihre Rückzugsgebiete.

Karsai steht nach der Erstürmung des Gefängnisses schwer unter Druck. Dem Land wurden bei der Afghanistan-Konferenz in Paris am Donnerstag Hilfszusagen von rund 13 Milliarden Dollar gemacht. Die Geberländer kritisierten jedoch auch, dass die Sicherheitslage fragil sei.

Die Erstürmung des Gefängnisses in Kandahar ist eine der spektakulärsten Taliban-Aktionen der vergangenen Monate. Ende April griffen die Islamisten eine Militärparade in Kabul an; Karsai konnte dem Angriff knapp entkommen. Der Präsident muss jetzt Handlungsfähigkeit demonstrieren.

Nach dem spektakulären Angriff auf das Gefängnis im südafghanischen Kandahar ist die Fahndung nach den rund tausend geflohenen Häftlingen allerdings weitgehend erfolglos geblieben. Nach Angaben der Polizei wurden bei der Großfahndung der Sicherheitskräfte bis zum Sonntag lediglich 20 Häftlinge gefasst; unter den geflohenen Häftlingen befanden sich nach Angaben der NATO auch rund 400 mutmaßliche Taliban-Kämpfer.

Am Sonntagmorgen seien 14 Flüchtige in Kandahar und umliegenden Gebieten gefangen genommen worden, sagte der Polizeichef von Kandahar, Sajed Agha Sakeb, der Nachrichtenagentur AFP. Am Samstag hatten die afghanischen Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben sechs ausgebrochene Häftlinge ergriffen. Nach NATO-Angaben sollen rund 1100 Häftlinge auf der Flucht sein, die afghanischen Behörden sprachen von 886 Flüchtigen.

Afghanische Sicherheitskräfte und NATO-Soldaten hatten nach dem Taliban-Angriff auf das Gefängnis Sarposa am Freitagabend eine Großfahndung eingeleitet. Sie durchkämmten die Stadt und kontrollierten die Ausfallstraßen. Mehr als 15 Aufständische wurden auf einem Farmgelände in der Provinz Kandahar durch Luftangriffe getötet, wie die US-geführten Truppen mitteilten. Weitere fünf Aufständische seien festgenommen worden. Ob sich auf dem Gelände Häftlinge aufhielten, war zunächst unklar.

"Wir haben erfolgreich alle Gefangenen befreit, auch die inhaftierten Taliban und andere Gefangene", sagte der Sprecher der Taliban, Jussuf Ahmadi, AFP in einem Telefonat. Nach seinen Angaben lenkten Selbstmordattentäter einen Wassertankwagen mit 1800 Kilogramm Sprengstoff gegen die Mauer des Gefängnisses und sprengten sich in die Luft. Anschließend hätten sich Männer auf Motorrädern den Weg ins Innere der Haftanstalt gebahnt und 15 Wachleute erschossen.

Ahmadi sagte "Spiegel online", die Befreiten würden sich "umgehend wieder einreihen und die nächsten Angriffe" planen. Die Taliban würden versuchen, weitere Gefängnisse zu stürmen.

Quelle: afp

 
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