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Wahl in Katalonien
Absolute Mehrheit für Befürworter der Unabhängigkeit

Katalanen demonstrieren für Unabhängigkeit
Katalanen demonstrieren für Unabhängigkeit FOTO: dpa, jrp ase
Barcelona. Bei der Regionalwahl in der nordspanischen Region Katalonien haben die Unabhängigkeitsbefürworter laut Hochrechnungen die absolute Mehrheit errungen.

Wie die Behörden nach Auszählung von 83 Prozent der Stimmen am Sonntagabend mitteilten, kommt das Bündnis Zusammen für das Ja auf 63 Sitze im Regionalparlament, die ebenfalls für die Unabhängigkeit eintretende linksradikale CUP errang zehn Sitze. Mit 73 der 135 Sitze im Parlament stellen beide gemeinsam künftig die absolute Mehrheit.

Regionalpräsident Artur Mas hatte angekündigt, Katalonien im Falle eines Sieges bis 2017 in die Unabhängigkeit führen zu wollen. "Wir haben gesiegt!" rief er am Sonntagabend vor hunderten jubelnden Anhängern in Barcelona. Der Parteichef der linksradikalen CUP, Antonio Baños schrieb im Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter: "An den spanischen Staat, ohne Groll: Auf Wiedersehen." Die Wahlbeteiligung lag mit 76,75 Prozent neun Prozentpunkte höher als bei der letzten Regionalwahl 2012.

Das Bündnis für das Ja und die CUP stehen nun vor Koalitionsverhandlungen. Die CUP lehnt eine weitere Amtszeit des konservativen Regionalpräsidenten Mas ab. Laut den Teilergebnissen wurden die Unabhängigkeitsgegner der Ciudadanos mit 19 bis 21 Sitzen zweitstärkste Kraft. Die Sozialisten, die für mehr Autonomie eintreten, erhielten 14 bis 16 Mandate.

Unabhängigkeitsbestrebungen in Europa FOTO: ap, EM

Die autonome Region mit 7,5 Millionen Einwohnern ist stolz auf ihre eigene Sprache und Kultur und sieht sich von der Zentralregierung in Madrid gegängelt und wirtschaftlich ausgenutzt. Die spanische Regierung hatte im Vorfeld gewarnt, eine Abspaltung Kataloniens von Spanien sei nicht nur verfassungswidrig, sondern würde auch den Verlust der EU-Mitgliedschaft und des Euro für Katalonien bedeuten. Ferner sei die Auszahlung der Renten in Gefahr. Während des Wahlkampfs riefen der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy und andere führende spanische Politiker wiederholt zur Einheit Spaniens auf und forderten, den Unabhängigkeitsbefürwortern eine Niederlage zu bereiten.

Auf Katalonien, dessen Einwohner etwa 16 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, entfällt etwa ein Fünftel der spanischen Wirtschaftsleistung und rund ein Viertel der Exporte. Besonders laut wurden die Rufe nach staatlicher Souveränität im Zuge der Finanzkrise und der im Jahr 2008 geplatzten Immobilienblase in Spanien.

Zwar hatte sich Katalonien im Jahr 2006 schon zur "Nation" erklärt, doch das spanische Verfassungsgericht erkannte der Region diesen Status 2010 wieder ab. Im November 2014 verhinderte die Zentralregierung ein Unabhängigkeitsreferendum per Klage vor dem Verfassungsgericht.

(AFP)
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