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Protest in Katalonien
Separatisten rufen zu Sturm auf Banken auf

Katalonien: Separatisten rufen zu Sturm auf Banken auf
Protest am Geldautomaten. FOTO: rtr, IA
Barcelona. In Katalonien haben Separatisten reihenweise Geld von den Banken abgehoben. Sie protestieren damit gegen das Vorgehen der spanischen Regierung.

Die Menschen folgten am Freitag einem Aufruf der Organisationen Katalanische Nationalversammlung (ANC) und Omnium Cultural und zogen Guthaben von ihren Konten bei den großen spanischen Banken ab. Unter dem katalanischen Hashtag "#laforcadelagent" (Die Stärke der Menschen) dokumentierten sie ihre Beteiligung an der Aktion. Auf Twitter waren Schlangen vor den Banken zu sehen.

"Es ist Zeit zu zeigen, dass unsere Stärke in jedem von uns liegt, dass die Summe der kleinen individuellen Schritte alles verändern kann", erklärte Omnium Cultural. Die Organisation hatte bereits am Vorabend angekündigt, zunehmend auf direkte Aktionen und die Macht der Verbraucher zu setzen. In der Nacht appellierten der Kulturverein und die ANC dann an ihre Anhänger, massiv Geld von Konten der fünf größten Banken abzuheben. "Hebt den Betrag ab, den ihr wollt", hieß es auf Twitter. Am Wochenende sind außerdem Demonstrationen in Barcelona geplant. 

Demonstranten fordern die Freilassung zweier Separatisten (Archiv). FOTO: dpa, EM wal pat

Die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, sagte am Freitag in einem Interview des Senders Cadena Ser, sie halte den Aufruf zum Geldabheben nicht für die beste Idee. Mit den jetzt anstehenden Entscheidungen in Madrid werde sich aber die Mobilisierung der Unabhängigkeitsbewegung verstärken.

Das Kabinett von Ministerpräsident Mariano Rajoy will am Samstag beschließen, mit welchen konkreten Zwangsmaßnahmen die Pläne der Katalanen für einen eigenen Staat gestoppt werden sollen. Rajoy entschied dies am Donnerstag, nachdem sich die Regionalregierung von Carles Puigdemont in Barcelona geweigert hatte, sein Ultimatum zu erfüllen und das Streben nach Unabhängigkeit umgehend zu beenden. Die Maßnahmen müssen vom Senat gebilligt werden, wo Rajoys konservative Volkspartei (PP) die Mehrheit hat.

Bei einem Treffen Rajoys mit dem Vorsitzenden der sozialdemokratischen Partei PSOE, Pedro Sánchez, vereinbarten beide nach Informationen der Zeitung "El Diario", für Januar eine Neuwahl des Regionalparlaments in Katalonien anzustreben. Ziel der Maßnahmen müsse es sein, "die Normalität, die Rechtmäßigkeit und die Selbstverwaltung wiederherzustellen".

Tusk:  Wir können in Katalonien nicht vermitteln

Die Europäische Union sieht keine Möglichkeit für eine Vermittlerrolle im Katalonien-Konflikt. "Es gibt keine Möglichkeit für ein Einschreiten der EU", sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk am Donnerstagabend auf einem EU-Gipfel in Brüssel.

Man könne nicht leugnen, dass die Situation dort besorgniserregend sei, sagte Tusk weiter. Er sei aus vielen Gründen ständig in Kontakt mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Doch auf dem Gipfel sei keine größere Diskussion über das Thema zu erwarten, da es nicht auf der Agenda stehe. Tusk leitet mit dem Rat das wichtigste Gremium der EU, in dem die Chefs der 28 Mitgliedsländer den Kurs der Staatengemeinschaft bestimmen.

(wer/dpa)
 
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