Parlamentswahl in Großbritannien: Kein Sieger im zweiten TV-Duell
zuletzt aktualisiert: 23.04.2010 - 08:53London (RPO). Die zweite Fernsehdebatte im Vorfeld der britischen Parlamentswahlen am Donnerstagabend hat Umfragen zufolge keinen klaren Sieger hervorgebracht. Dem klaren Gewinner der ersten Runde, dem Chef der Liberaldemokraten Nick Clegg, gelang es am Donnerstagabend jedoch, Angriffe von Premierminister Gordon Brown und Oppositionsführer David Cameron zu parieren.
In einer Blitzumfrage für die Zeitung "Sun" beendete Cameron mit 36 Prozent als Sieger die Debatte, in der es um die Außenpolitik ging. Clegg belegte mit 32 Prozent den zweiten Platz vor Browm mit 29 Prozent. In einer Umfrage für den Sender ITV lag Clegg mit 33 Prozent vor Brown und Cameron, auf die jeweils 30 Prozent entfielen. Gewählt wird am 6. Mai.
"Clegg ist es gelungen, einen hohen Stimmenanteil für die Liberalen zu halten, hat es aber nicht geschafft, den Schwung bis zu dem Punkt zu steigern, an dem die Liberalen wirklich die Mehrheit der Sitze erreichen können", sagte Politikprofessor Wyn Grant von der Universität Warwick.
Höhenflug für Liberaldemokraten Clegg
Die überzeugende Vorstellung Cleggs in der ersten Debatte hatte den machtpolitisch bislang eher bedeutungslosen Liberaldemokraten einen Höhenflug in den Umfragen beschert. In einigen liegen sie derzeit knapp vor den beiden anderen großen Parteien.
Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Wahl den Briten ein sogenanntes "hung parliament" bescheren könnte - ein Parlament ohne klare Mehrheitsverhältnisse wie zuletzt im Jahr 1974. Insbesondere an den Finanzmärkten wird ein solches Szenario angesichts eines Rekord-Haushaltsdefizits gefürchtet.
Ein zu Beginn angespannt wirkender Brown warf Clegg vor, die Sicherheit des Landes zu gefährden, wenn dieser eine Modernisierung der U-Boot-gestützten Atomwaffen ablehne. Dadurch werde Großbritannien anfällig für Drohungen aus dem Iran und aus Nordkorea. Er riet Clegg, in der Wirklichkeit anzukommen.
Cameron, der im Vergleich zur ersten Debatte gelassener wirkte, warf den Liberaldemokraten vor, sich aus der Verantwortung für den Spesenskandal von Unterhausabgeordneten stehlen zu wollen. "Wir hatten alle unsere Probleme damit, Nick", sagte er.
Clegg selbst sagte mit Blick auf die gestiegenen Umfragewerte für seine Partei und die Möglichkeit eines "hung parliament": "Glauben sie nicht die absurden Horror-Geschichten über die Märkte und ein politisches Armageddon, wenn dies geschieht".
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