Nordkoreas Säbelrasseln: Kim Jong Ils wahre Motive
VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 26.05.2009 - 13:09Düsseldorf (RPO). Trotz des internationalen Proteststurms lässt Nordkorea weiterhin die Säbel rasseln. Das Regime in Pjöngjang testete nach der Atombombe zwei Kurzstreckenraketen. Kim Jong Il und seine Führungseliten lassen sich von möglichen Uno-Sanktionen nicht beeindrucken - sie verfolgen ihre eigenen Ziele.
"Der Irre mit der Bombe" ("Der Spiegel") sorgt wieder für Schlagzeilen: In der Nacht zum Montag führte Nordkorea seinen zweiten Atombombentest durch und sorgte für internationale Proteste. Am Dienstag legte der kommunistische Staat mit dem Start zweier Kurzstreckenraketen nach.
Die Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft folgte prompt: Auf dem Asien-Europa-Treffen (ASEM) haben die Außenminister der EU und ihre asiatischen Kollegen das Vorgehen der Nordkoreaner verurteilt. Der Staat verstoße gegen die Resolutionen und Entscheidungen des UN-Sicherheitsrats. Pjöngjang müsse wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren.
Am Dienstag hat das Auswärtige Amt den nordkoreanischen Botschafter einbestellt, um ihm die scharfe Kritik der Bundesregierung an den Atom- und Raketentests vorzutragen. Wie eine Sprecherin der Behörde mitteilte, wurde der Botschafter Nordkoreas in Berlin, Hong Chang Il, am Morgen einbestellt. Der Beauftragte für Asien- und Pazifikpolitik, Botschafter Blomeyer-Bartenstein, habe die scharfe Kritik der Bundesregierung an den Tests vom Dienstag wiederholt.
Das internationale diplomatische Geplänkel ist nach Ansicht von Dr. Dimitrios Argirakos, dem Vorstandsvorsitzenden des Düsseldorfer Institut für Außen- und Sicherheitspolitik (DIAS), absolut sinnlos. "Die internationale Staatengemeinschaft hat keinerlei Optionen, um gegen Nordkorea vorzugehen. Die Uno ist irrelevant", erklärte der Experte im Gespräch mit unserer Redaktion.
Einzig die USA und China, die bereits im Korea-Krieg (1950 bis 1953) die wesentlichen Rollen spielten, könnten für Bewegung sorgen. Doch die Regierung in Pjöngjang pokert. "Das ganze ist ein Spiel", erklärte Argirakos - und die Nordkoreaner scheinen gute Karten zu haben: "Sie machen das klug."
Immerhin haben China und die USA auf der koreanischen Halbinsel unterschiedliche Interessen - vor allem eine mögliche Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea betreffend. Das Reich der Mitte will keinen westlich geprägten Satellitenstaat mit US-Militärbasen an seiner Südflanke. Die Entwicklung in dem ehemaligen sowjetischen Einflussbereich an der heutigen Ostgrenze der Nato scheint den Chinesen vor Augen geführt zu haben, was nach einer Wiedervereinigung passieren könnte.
Allerdings: Ein Zusammenschluss der unterschiedlichen Bruderstaaten wäre wirtschaftlich unmöglich. Südkorea könnte diesen Vorgang finanziell nicht bewältigen, einen anderen Finanzier gibt es nicht. Für diese Frage und die Umsetzung einer Wiedervereinigung gibt es nach Ansicht des Experten keine wirkliche Lösung. Die wirklichen Entscheidungen würden in Washington und Peking getroffen.
Trotzdem haben Nord- und Südkorea eine Phase der Annäherung hinter sich. Die Sonnenschein-Politik Seouls gehört allerdings der Vergangenheit an, inzwischen interessieren andere Fragen. "Das primäre Interesse der nordkoreanischen Regierung ist natürlich der Machterhalt", sagte Argirakos. Vor diesem Hintergrund ist auch die Konstruktion einer äußeren Bedrohung zu sehen, um die Bevölkerung, die keinen Zugang zu unabhängigen Medien hat, zu disziplinieren. "Nordkorea befindet sich in einem permanenten Kriegszustand."
Das lenkt von den eigenen existenziellen Problemen ab, die die nordkoreanische Regierung lösen muss: Die Versorgung des 1,2 Millionen Soldaten umfassenden Militärapparats verschlingt einen Großteil der Wirtschaftskraft. 40 Prozent der rund 24 Millionen Einwohner zählenden Bevölkerung benötigen nach UN-Schätzung Nahrungsmittelhilfen gegen den Hunger. Kim Jong Il kündigte erst kürzlich einen "entscheidenden Wendepunkt" und ein Ende der Lebensmittelknappheit an.
Fest steht: Dieses ökonomische Defizit muss ausgeglichen werden - notgedrungen mit großzügigen Wirtschaftshilfen aus dem Ausland. Die aktuelle Entwicklung ist laut Argirakos auch eine Form von "Erpressung": Nordkorea wolle Geld.
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