Geld für Party-Besucherinnen: Kirche fordert von Berlusconi Aufklärung
zuletzt aktualisiert: 21.06.2009 - 21:36Rom (RPO). Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi steht weiterhin unter Beschuss. Die Kirche fordert nun, dass er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entkräftet. Unterdessen kam Hilfe von einem Freund: Der Cavaliere soll nichts davon gewusst haben, dass Frauen für einen Besuch seiner Partys bezahlt worden sind.
Das erklärte der italienische Geschäftsmann Giampaolo Tarantini. Er selbst habe den Frauen das Geld gegeben, aber nur, um ihnen die Anreise und andere Ausgaben zu ersetzen, sagte Tarantini. Er entschuldigte sich in einer Erklärung an die Nachrichtenagentur ANSA bei Berlusconi für den entstandenen Skandal.
Patrizia D'Addario, die nach Aussagen von Bekannten als Luxus-Prostituierte arbeitet, hatte in einem Interview der oppositionsnahen Zeitung "Corriere de Sera" erklärt, sie habe für ihre Anreise aus Bari und den Besuch der Party in Berlusconis römischen Residenz 1.000 Euro bekommen. Bei der Party seien ihr und 20 anderen jungen Frauen ein Video von Berlusconis Treffen mit dem früheren US-Präsidenten George W. Bush und Fotos seiner Villen gezeigt worden. Berlusconi habe für sie gesungen und Witze erzählt. Sie könne das beweisen, weil sie das mit einem Aufnahmegerät aufgenommen habe. Berlusconi wies die Berichte als "Müll und Lügen" zurück.
D'Addario und zwei weitere Frauen, die Berlusconis Partys besuchten und dafür Geld oder Geschenke haben sollen, sind inzwischen von der Polizei in Bari verhört worden. Berichten zufolge richten sich die Ermittlungen gegen Tarantini wegen angeblicher Unrechtmäßigkeiten in Zusammenhang mit seinem Pflegedienst-Unternehmen und wegen Anstiftung zur Prostitution.
In seiner Erklärung wies Tarantini die Geschichten der drei Frauen als falsch zurück. Sie sollten nur dazu dienen, Berlusconi zu schaden. Er habe die Frauen zu den Partys eingeladen, um bei Berlusconi, den er erst kurz vorher kennengelernt habe, einen guten Eindruck zu machen. Es tue ihm leid, dass er dem Ministerpräsidenten geschadet habe, ohne es zu wollen.
Kirche macht Druck
In die Affäre schalten sich jetzt auch Kirchenvertreter ein. Berlusconi habe die "heilige Pflicht", die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu entkräften, sagte Erzbischof Carlo Ghidelli von Lanciano-Cortona in einem Interview mit dem "Corriere della Sera". Als Person des öffentlichen Lebens müsse der Regierungschef "mit Fakten, nicht nur mit Worten" Klarheit gegenüber seinen Wählern schaffen. Andernfalls könne er sein Amt nicht wirksam ausüben. Berlusconi dürfe "sich nicht einbilden, dass die Kirche schweigt", sagte Ghidelli. Es gehe nicht um irgendwelche Vorhaltungen, aber die Bischöfe hätten "eine klare Moral zu verteidigen".
Derweil traf laut "Corriere" der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, mit dem Vize-Fraktionschef des von Berlusconi geführten "Popolo della liberta" im Senat, Gaetano Quagliariello, zu einer Unterredung zusammen. Dabei sei es auch um die jüngste Affäre gegangen. Quagliariello sagte laut der Zeitung, das Gespräch habe einen "vertraulichen Charakter" gehabt.
Berlusconi ist in der Defensive, seit seine Frau seine Vorliebe, gut aussehende junge Frauen für die Europawahl aufzustellen, öffentlich zu einem Scheidungsgrund gemacht hat. Außerdem gab es Berichte, er habe ein Verhältnis mit einem inzwischen 18-jährigen Model. Berlusconi hat erklärt, es gebe nichts Anstößiges an der Beziehung.
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