Konferenz in Nairobi beginnt: Klimawandel lebensgefährlich
VON RAINER KURLEMANN - zuletzt aktualisiert: 06.11.2006 - 08:24Düsseldorf (RP). Heute beginnt in Nairobi die Weltklimakonferenz, die über den weltweiten Umgang mit dem Treibhausgas Kohlendioxid entscheiden will. Umweltschützer zeigen Beispiele, wie Klimawandel sich auswirkt. Aber die teilnehmenden Staaten sind nicht einig, was nun geschehen soll.
Nairobi Alle Zahlen der vergangenen Wochen vermitteln die gleiche Botschaft: Der Klimawandel hat begonnen. Die Durchschnittstemperaturen steigen. Das Eis schmilzt. Viele Pflanzen wachsen in Regionen, in denen sie vor einigen Jahrzehnten noch nicht heimisch waren. Die meteorologische Weltorganisation (WMO) hat ermittelt, dass der Gehalt an Treibhausgasen in der Atmosphäre im Jahr 2005 einen neuen Höchstwert erreicht hat. „Allein um einen weiteren Anstieg der CO2-Konzentration zu vermeiden, brauchen wir viel drastischere Mittel als die in Kyoto vereinbarten“, sagte WMO-Experte Geir Braathen.
Kanzlerin Merkel erklärte, Energie und Klimaschutz seien „zentrale Zukunftsfragen des 21. Jahrhunderts“. Umweltminister Gabriel verlangte: „Wir müssen mittelfristig ein Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts für Klimaschutz ausgeben.“ Angesichts dieser Vorschusslorbeeren sollte die UN-Tagung unter einem guten Stern stehen.
Doch das Gegenteil stimmt: Beobachter haben kaum Hoffnung, dass es gelingen wird, sich auf verbindliche Ziele zur Senkung des Ausstoßes an Kohlendioxid zu einigen. Dabei stellt das Klimaschutz-Abkommen von Kyoto mengenmäßig nur eine kleine Vorgabe dar. Bis 2050 müssten nach den Modellen der Klimaforscher in den Industrienationen viel stärker, nämlich mehr als 60 Prozent der Emissionen eingespart werden. Ein Herkulesaufgabe, schließlich drohen die meisten der 35 Kyoto-Staaten schon an bisherigen Zielen zu scheitern.
Die Probleme für die Nairobi-Konferenz sind hingegen noch größer. Abermals soll versucht werden, Australien und die USA für den Klimaschutz-Prozess zu erwärmen. Deren Regierungen (vor allem US-Präsident Bush) haben wenig Interesse an einem Sinneswandel bekundet. Erschwerend kommt hinzu: China und Indien als aufstrebende Industrienationen und mithin zukünftige Groß-Emittenten des Treibhausgases wollen sich ebenfalls nicht in die Pflicht nehmen lassen. Sie verweisen auf ihr Recht, das zu tun, was andere Industriestaaten über Jahrzehnte für selbstverständlich erachtet haben.
So bleibt zu vermuten, dass der Druck auf die Teilnehmerstaaten erst wachsen wird, wenn im Februar der neue UN-Bericht mit aktuellen Klimaprognosen und ihren drastischen Folgen vorgelegt wird. Und wenn es den Forschern darin gelingt, die Ursache für die gemessene Erderwärmung noch eindeutiger als bisher dem Anstieg der CO2-Konzentration zuzuschreiben. Damit Nairobi nicht gänzlich ohne Ergebnis bleibt, soll auch über Hilfen für die Opfer des Klimawandels beraten werden.
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