Luftwaffen-Airbus in Köln-Bonn gestartet: Köln: Israel und Hisbollah tauschen Gefangene aus
zuletzt aktualisiert: 29.01.2004 - 14:43Köln/Jerusalem (rpo). Der Airbus der Bundesluftwaffe war noch nicht ganz auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn gelandet, da wurde die Maschine schon hektisch in den Hangar gerollt: Eines der größten Austauschverfahren von Gefangenen in der Geschichte des Nahost-Konflikts tritt in die heiße Phase: Erste arabische Gefangene wurden in Köln übergeben.
Ein Airbus der Bundeswehr ist am Donnerstag mittag auf dem Flughafen Köln-Bonn gestartet. Er sollte eine Gruppe Gefangener an Bord haben, die kurz zuvor aus israelischer Haft entlassen worden waren und nun nach Beirut gebracht werden sollten.
Israel hat bei dem Gefangenenaustausch mit der libanesischen Hisbollah auf dem Militärflughafen Köln-Bonn nur 29 Gefangene übergeben. Die israelischen Behörden teilten am Mittwoch in Jerusalem mit, insgesamt würden bei dem Austausch 400 Palästinenser und 29 Angehörige anderer arabischer Länder freigelassen. Davor war von insgesamt 436 am Austausch beteiligten Gefangenen die Rede.
Die Verringerung der Zahl wird darauf zurückgeführt, dass einige Gefangene in Länder oder deren Botschaften überstellt würden, wo sie um Asyl nachsuchen wollten. Offen blieb vorerst, ob alle 29 nach Köln-Wahn ausgeflogenen Gefangenen nach Beirut zurückfliegen wollen, oder ob einige in Deutschland um politisches Asyl nachsuchen.
Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker will ein Kurde aus Syrien, der unter den Gefangenen sei, um Asyl in Deutschland nachsuchen. Unsicher sei jedoch, ob er aufgenommen werde.
Libanesische Medien bestätigten unterdessen, dass unter den nach Köln-Wahn ausgeflogenen Gefangenen die Hisbollah-Führer Mustafa Dirani und Scheich Abdul Karim Obeid sind. Auch der Deutsche Steven Smyrek befand sich dem Vernehmen nach auf der aus Israel kommenden Maschine. Er will nach Libanon zurückkehren.
Im Rahmen des Gefangenenaustauschs mit der libanesischen Hisbollah-Miliz hat Israel am Donnerstag 130 palästinensische Gefangene freigelassen. Die Palästinenser seien aus einem Gefangenenlager der israelischen Armee bei Tulkarem im Norden des Westjordanlands freigekommen, berichteten Augenzeugen. Die Freigelassenen stammten aus Tulkarem, Nablus und Kalkilja. Insgesamt hatte Israel die Freilassung von 400 Gefangenen zugesagt.
Israelische Boeing landete auf Kölner Flughafen
Der Vereinbarung zufolge gibt Israel 436 Gefangene frei und erhält dafür einen als Geisel genommenen Geschäftsmann sowie die Leichen der drei Soldaten. Der Austausch war von langer Hand vorbereitet worden. Dazu nutzte die Bundesregierung ihre über Jahre aufgebauten Kontakte in der Region. Deutschland ist seit Anfang der 90er Jahre als Vermittler in Austauschverfahren zwischen den Konfliktparteien eingeschaltet.
Kurz vor und kurz nach 7 Uhr landeten ein aus Beirut kommender Airbus der Bundesluftwaffe sowie eine Boeing 707 der israelischen Luftwaffen auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn. Beide Maschinen wurden sofort in einen Hangar gerollt und Seite an Seite geparkt.
Kurz darauf wurde das Hangar-Tor fast vollständig geschlossen. Lediglich die Heckflosse der Bundeswehrmaschine ragte noch ins Freie. Die israelische Maschine hatte am Vortag israelische Gerichtsmediziner und Geistliche nach Köln geflogen, die bei der Identifizierung getöteter israelischer Soldaten eine entscheidende Rolle spielen sollen.
Kurz nach 8 Uhr wurde der Bundeswehr-Aribus wieder aus dem Hangar gerollt. Israelische Sicherheitskreise in Tel Aviv bestätigten unterdessen die Landungen der Maschinen auf dem weiträumig abgesperrten Militärflughafen. Das Flugfeld war mit einem Großaufgebot von Feldjägern und Zivilkräften abgeriegelt worden. Hunde und Nachtsichtgeräte waren eingesetzt. Weder Bundesregierung noch Bundeswehr äußerten sich zunächst zu den Abläufen.
Unter deutscher Vermittlung
In dem unter deutscher Vermittlung zu Stande gekommenen Austausch sollen insgesamt 435 Gefangene frei kommen. In dem israelischen Militärflugzeug befanden sich 35 arabische Gefangenen sowie der zum Islam konvertierte Deutsche Steven Smyrek, dessen Familie in England lebt. Er war wegen Vorbereitung eines Selbstmordanschlags 1999 in Israel festgenommen und verurteilt worden. Die prominentesten unter den arabischen Gefangenen an Bord der israelischen Maschine sind die Hisbollah-Führer Mustafa Dirani und Scheich Abdul Karim Obeid.
In dem aus Beirut eingetroffenen Airbus der Bundesluftwaffe waren der israelischen Geschäftsmann Ehanan Tannenbaum sowie die Särge mit drei im Jahr 2000 in Libanon umgekommenen israelischen Soldaten.
Als Tannenbaum in Beirut auf den Airbus zuging, sprach er kurz mit einem Reporter der Nachrichtenagentur AP. "Mein Name ist Elhanan Tannenbaum und ich bin israelischer Staatsbürger", sagte er. Das Fernsehen der Hisbollah hatte zuvor erstmals seit seiner Gefangennahme im Oktober 2000 Bilder des Geschäftsmanns gezeigt.
Tannenbaum, ein Oberst der Reserve, sagte in dem Video, er sei gut behandelt worden. Er sei damals in ein nicht genanntes arabisches Land gegangen, um Informationen über den seit 1986 in Libanon vermissten israelischen Luftwaffensoldaten Ron Arad zu suchen, sagte er.
Entscheidend für den Austausch ist die positive Identifizierung der drei toten israelischen Soldaten durch DNA-Analysen. Nach bisheriger Planung soll dies bis etwa 12 Uhr abgeschlossen sein, so dass dann der eigentliche Austausch beginnen kann. Dazu sollen von Israel rund 400 Palästinenser nach Westjordanland und Gaza direkt entlassen werden. Außerdem will Israel an der israelisch-libanesischen Grenze die sterblichen Überreste von 59 libanesischen Kämpfern übergeben.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum